Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Sokrates in der jüdischen Literatur
- Date
- 1936-01-01
- Page
- 3 (sequence 1)
- Language
- German
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Sokrates in der jiidisdien Literatur. Von J. Bergmann. 1. Die Gedanken Platos haben die jüdischen Philosophen und Kabbalisten' beeinflußt,' sein' Name;' wurde' von ihnen oft genannt. .Aristoteles ist im Judentum fast ein Einheimischer geworden, seine Gedanken würden in den jüdischen Lehr״ häusern gelehrt ’ und auf den Kanzeln gepredigt und seine Geistesgaben bewundert. Es entstand im Judentum sogar die Sage,; Aristoteles sei vbri Geburt Jude gewesen, öder er habe die Wahrheit der jüdischen Religion erkannt und sei Jude ge~ worden.‘"' ";' 1 ’' ׳s^" ‘ י!:! ז: •י ' •v:יי‘” 1י־'■- ■י•‘■' ■׳" Anders verhielt es sich mit Sokrates. Von allen Religidns- Stiftern abgesehen״ schriebj Theodor Gomperz, hat kaum ein anderer Einzelner das Geistesleben der Menschheit so nachhaltig beeinflußt wie Sokrates1. Seine Lehre hat auch auf das jüdische1 Geistesleben, wenn auch nur mittelbar dürdh Plato und Aristoteles, öingewirkf. Der sterbende öder döri in der Sterbestünde lehrende Sokrates hat in aller! Denkenden die Empfihdüng ausgelöst, daß Leideri ־ Verfolgungen und Tod kein Übel sind, sondern in Quellen der Kraft verwandelt werden können, eine Empfindung, die auch dem! ,Judentum nicht fremd geblieben, dessen Lehrer und Bekenner zu Tausenden für ihren Glauben starben. Trotzdem ist der Name des Sokrates Viel Seltener irti Jtidehtüm erklüngen als die Namen der anderen griechisbKen PhilosöpLeh. ח In dör alten Kirche wurde der Name des Sokrates sogar mit dem Namen Jesu verbunden. In seiner Verteidigungsschrift an Äntöftirüis Piüs, Mark Äuteb den Senat und das römische Volk schrieb Jiistin: Wir Christen denken undJ handeln wie Sokrates, werden wie er getötet; aber sind wie er unverwundbar. Tatiün, der das Griechentum mit seinen Philosophen in den düstersten Farben schilderte, nahm Sokrates aus und erklärte: ״Es gibt hur e i n enlfSokrates״ Äthenägöras meinte: Wie Sökratös nichts durch die öffentliche Meinung" einbüßen könnte, sö vermag es uns Christen nicht zu schaden; wenn man die: Reinheit unseres 1 Gomperz, Griechische; Denker;Ul;13.. •;!t;'; : 1*