Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 Besprechungen Sprach# ebrauch und aus dem Geist dies alt jüdischen Schrifttums untersucht. Das Thema ist schon früher von Jakob Hör ovitz: ,/Auge um Auge, Zahn um Zahn“ in Judaica, Festschrift für Hermann Cohen, 1912, 609 ff. in Angriff genommen worden!. Horovitz wendet sich besonders gegen D. H. Müller, der in der Formel: Auge um Auge usw. das Urgesetz der Talion erblicken will, aus dem der biblische Gesetzgeber und Hammurabi geschöpft haben. Jakob Neubauer, Bibelwissenschaftliche Irrungen, 1917,150 ff. behandelt die Talion ausführlich und versucht zu beweisen, ״daß Geist und Wortlaut des Pentateuch jenes rohe Vergeltungsprinzip a priori verneinen und in keiner Periode geduldet haben können“ (S. 180). Der Wert der Jacobschen Arbeit besteht darin, daß auf Grund eines umfangreichen Materials aus AT., der babylonischen Literatur, Talmud, Midrasch und NT. aus sprachlichen Gründen endgültig gegen die herkömmliche Auffassung von der Talion im AT. entschieden wird. Jacob untersucht zunächst die Überschrift des Kapitels!, in dem die Talion vorkommt, und das mit den Worten beginnt: Und dies sind die mispatim, die du ihnen vorlegen! sollst (Ex. 21, 1). Jacob weist nach, daß die eigentlichen mispatim nur von dien beiden Kategorien Körperverletzung und Eigentumsschädigung handeln, und daß der Gesetzgeber auf die Talions« forme! hinaus will und sie in Gegensatz zur Todesstrafe stellt. Gegen die herkömmliche Auffassung des Talion stellt Jacob Gegenbeweise zusammen. Besonders ist die Satzfügung hervorzuheben. Hätte der Pt. eine tatsächliche Talion aussprechen wollen so hätte durch ein entsprechendes Verbum deut« lieh gesagt werden müssen!, daß und was dem Täter getan werden soll, wie bei Hammurabi § 196 ff. Das Wort tahat, das den Hauptbeweis für die Talion erbringen soll, bedeutet, wie Jacob zu beweisen sucht, an einigen Stellen des AT. den Schadenersatz, niemals die Talion. Im Anschluß daran untersucht J. Ausdrücke ,wie natan, das den Geldwert in sich begreift. Die kürzere Formel des Dt.: ני? ש בנפש usw. hat nach Jacob einen anderen! Sinn als nwi und bezeichnet das miteinander Korrespondierende, wie Ausdrücke wie עין כעין (Num. 14, 14; Jes. 52, 8 zeigen). Die irrtümliche; wörtHche Auffassung des Taliongesetzes stammt, wie J. mit Geschick nachzuweisen versucht, zunächst aus der jüdisch-hellenistischen ׳Apologetik, dann, gefördert durch das Mißverständnis der Bergpredigt und die christlich-mittelalterliche Strafjustiz aus einer Auffassung, nach d!er es eine buchstäbliche Wiedervergeltung gibt. Verfechter der Talion waren wahrscheinlich auch die Sadduzäer. Man hielt die Talion für ein urtümliches Strafprinzip, das aus der Privatrache hervorgegangen war, man verwechselte Talion mit Vergeltung und die göttliche Vergeltung mit der rechtlichen. Hiervon ausgehend untersucht J. das Prinzip der Vergeltung in Bibel und Midrasch. In der Bibel ist das Prinzip der Vergeltung noch nirgends auf ׳eine allgemeine Formel gebracht, wie: Womit man gesündigt, damit wird man gestraft. Dazu kam er erst im Midrasch. Das spätere Judentum bekennt