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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 50

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 1
Article
Das Schicksal einer Talmudhandschrift
Date
1935-01-01
Page
Seite 50 (sequence 1)
Language
German
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50 E. Urbach Das Schicksal einer Talmadhandschrüt Von E. Urbach. Im Jahrgang 1865 der Hebräischen Bibliographie teilte Perreau einiges über hebräische Manuskripte in Parma mit. Untier Nr. 60 führt er ein Ms. der Talmudkommentare des R. Chananel zu 36 Talmudtraktaten an• Im Jahr gange 1874 derselben Zeitschrift stellte Berliner fest, daß es kein פי' ר״ח, sond/em eine vollständige Talmudhandschrift ist. Auf dem Vorderblatte findet sich eine Anmerkung von der Hand Sterns: והוא סדר הש״ס גמרא משנה נכתב עפ״י נוסחאות ר׳״ח וכולל זח הכרך ... Daher der Irrtum bei Perreau!. Die Frage, ob hier wirklich ein Talmudhands chrift nach den Lesungen des R. Chananel vorliegt, hat auch Berliner nicht untersucht. Die Hand« schrifts ist, im Gegensatz zu anderen Talmudmss. in äußerst kleiner und gedrängter spanischer Schrift geschrieben. Am Rande verschiedener Blätter stehen hebräische Zahlen in der gleichen Schrift, die der Paginierung der ersten vollständigen Talmudausgabe entsprechen. Ein Vergleich zeigt ferner, daß wir es nicht mit einem Talmudexemplar nach den Lesungen des R. Chananel, sondern mit einer einfachen Abschrift der Born« b erg sehen Ausgabe zu tun haben. Was hat nun R. Chananel mit diesem Mskr. zu tun? Auf welche Weise ist sein Name hierher geraten? Am Schluß jedes der vier Bände findet sich der Vermerk: ״Visto per me fra Luigi del 160T\ Die Handschrift lag also der Zensur vor unter der strengen Regierung Clemens‘ VIII. Besondere Aufmerksamkeit hat die Zensur immer dem Talmud gewidmet. Die sonstige rabbinische Literatur, die Talmud« kommentare und Dezisoren1 wurde glimpflicher behandelt Zumal unser Fra Luigi, einer der bekanntesten Zensoren des 16. Jahrhunderts2 war, zeichnete sich durch besondere Milde aus. In dem von ihm untersuchten Buche שער השמים (Venedig 1547) ist kein Wort gestrichen!3, während sein Berufs« genösse Vincentius Matelica weit strenger verfahren ist4. Solche Milde war beim Talmud ausgeschlossen. Der Schreiber unserer Handschrift* der eine wörtliche Abschrift der Bombergschen Ausgabe mit allen von der Zensur gestrichenen Stellen besorgte, mußte für sein Werk •einen) Namen suchen, der es vor der ausmerzenden Hand der Zensur schützte. Er nahm dafür den Namen Chananel, setzte ihn! auf das Vorderblatt und ließ alle äußeren Merkmale sonstiger Talmudhandschriften. fort. Auf etwa 1200 1 Vgl. die Verordnung von Pius IV., der Bücher duldete, die nicht den Namen Talmud trugen. Über die Zensur im allgemeinen vgl. Berliner: Gensur und Konfiskation usw. 1891. 2 Vgl. über ihn Bernheim: Paleografia ebraica 1924, Sl 176 u. 178 ff. 3 Bemh e&n ebd. 4 Vgl. die Reproduktion der gleichen Ausgabe in der J. E., Bd. IQ. S. 645.

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