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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 21

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 1
Article
Israel Aaron, Hoffaktor des Großen Kurfürsten und Begründer der Berliner Gemeinde
Date
1935-01-01
Page
Seite 21 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Israel Aaron, Hoffaktor d. Großen Kurfürsten u. Begründer d. Berl. Gern. 21 1295 werden sie erwähnt* 2, im Jahre 1320 überläßt die Markgräfin Agnes dem Rate zu Berlin das Recht über ״alle unse yoden, arme und rike4'3. Aber ebenso wie in anderen Teilen Deutschlands wurden sie auch aus der Mark Brandenburg wiederholt vertrieben, so 1446 im Anschluß an Judenhetzen, 1510 wegen angeblicher Hostienschändung und 1573, weil der Finanzier Joachims II., Lippold, beschuldigt wurde, den Tod dieses Kurfürsten durch Vergiftung herbeigeführt zu haben4. Zu einer dauernden Ansiedlung der Juden in Berlin war es also durch die verschiedenen Ausweisungen während des Mittelalters nicht gekommen. Erst unter dem Großen Kurfürsten beginnt eine völlige Neuorientierung der Politik gegenüber den Juden. Hatte der mittelalterliche Staat die Behandlung des Judenproblems den Ständen — den Ratsherren der Städte> den Rittern auf dem Lande, den Prälaten und Bischöfen — überlassen, so nimmt jetzt der Große Kurfürst die Lösung der Judenfrage selbst in die Hand. Sein Land war durch den Dreißigjährigen Krieg ver^ wüstet, die Hälfte der Untertanen getötet — die Einwohnerzahl Berlins war auf kaum 10 000 gesunken—, der Viehbestand vernichtet,. der Handel lag darnieder. Um die traurigen Folgen des Krieges, zu beheben, war Friedrich Wilhelm darauf bedacht, sein. Land neu zu beleben. Wie er die Einwanderung der Holländer und Franzosen begünstigte, so strebte er auch durch die Aufnahme der Juden, dem Mangel an Menschen und Kapital in seinem Staate abzuhelfen. Wenn er dann weiterhin die Handelstätigkeit der Juden auffallend unterstützte, so tat er es wohl in der Absicht, durch sie mehr Geld in Umlauf zu bringen, den noch halb naturalwirtschaftlichen Charakter seines Staates in den modernen geld- und kreditwirtschaftlichen umzugestalten. Es ist sicherlich kein Zufall, wenn in den meisten der Judenreskripte die Worte wiederkehren, ״es gereiche zu des Landes ׳ '■׳ ■' ■■•׳ 2 vgl. Selma Stern, Der Preußische Staat und! die Juden, Berlin 1925, Teil I, Seite 4. 3 siehe Fidicin, Historisch-diplomatische Beiträge zur Geschichte der Stadt Berliny 1837, Teil I, S. 55. 4 vgl. S. Stern, S. 5—6: und Fidicin, Teil V, S. 101.

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