Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Arbeiten zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 10)
- Language
- German
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20 Oswald Lassally die Wohnstätten der Juden in den mittelalterlichen ,märkischen Städten!, die Judenstraßen, die Judenhöfe, Synagogen, Judenkiever und andere An« lagen in der Mark, deren Namen auf eine Beziehung zu Juden deuten. Dieser ,Abschnitt beansprucht eine besondere Bedeutung, denn der Vei> fasser gibt uns eine Übersicht über das für die einzelnen Städte vorliegende Quellenmaterial, alphabetisch nach den Namen! der Städte geordnet. Er kommt zu dem Ergebnis, daß die Vermutung, die ältesten Judenansied״ lungen hätten ursprünglich außerhalb der Städte gelegen, durch nichts zu beweisen ist. Daß der Landesherr über die Wohnstätte der Juden gewisse Verfügungsgewalt hat, ist nicht verwunderlich. Das liegt in dem Wesen des Judenoregals, kraft dessen der Landesherr diese Verfügungsgewalt in der Mark genau so wie anderswo .ausgeübt hat. Soweit meine Kenntnis;der Dinge reicht!, (vgl. auch Piethow, Studien! über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten, ZfdGdJ. in Deutsdil. II, S. 106 ff.), kann der Name einer Judenstraße oder ׳eines Judenhofes nicht plötzlich entstanden und wieder vergangen sein, sondern muß, wo der Name einer Judenstraße oder eines Judenhofes zu irgend einer Zeit vorkommt, wirk״ lieh auch im Mittelalter eine jüdische Niederlassung bestanden haben. Wichtig ist Heises Feststellung, daß man •die Judenstraßen und Judenhöfe in der Mark meistens an den. Rändern der Städte findet. Daraus kann man folgern, daß die Juden verhältnismäßig spät dahingekommen sind, während im Westen und Süden Deutschlands sich die Judenstraß© vielfach im Zentrum findet Der lateinische Name für Synagoge ist ׳synagoga öder auch scol'ae jüdeorum. Daher ist es! selbstverständlich, daß in den Ur״ künden immer nur der eine der beiden Ausdrücke Synagoge oder! Schule vorkomrmt. Da nun die Synagoge selbst oder ein Raum in derselben Unterrichtszwecken diente, so׳ ist letztere Benennung verständlich. Juden״ friedhof heißt im hebräischen קבר, deutsch ausgesprochen ״KewerV Juden״ kiever ist ׳wohl verschrieben). Im. ersten Teil des Buches hätte Verfasser besser eine andere Einteilung als die rein chronikartige gewählt; auch eine Karte mit den jüdischen Änsiedlungen in der Mark wäre außerordentlieh dienlich gewesen und hätte die Entwicklung der Dinge gut vergegenwärtigt. Alles in allem aber reicht das Buch von Werner Heise weifcüberdie Bedeu״ tun g einer Erstlingsarbeit hinaus. Israel Aaron, Hoffaktor des Großen Kurfürsten und Begründer der Berliner Gemeinde. Von Os w al d Las sally. Die Geschichte, der Juden in Berlin geht bis zur Gründung der Stadt zurück1. Schon in einer Urkunde vom 28. Oktober 1 vgl. Holtze, Geschichte der Stadt Berlin, Tübingen 1906, Seite 5.