Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Kohut - Löw - Steinschneider - Korrespondenz
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Gr. A. Kohut tums und von der zweifelhaften Provenienz der Hörer. Darauf schrieb ich ihm einen Absagebrief und wir besuchten seine Veitei- Heine-Ephraim-Vorlesungen durch einige Semester nicht. Später hat er mir bei meiner ersten Arbeit sehr viel geholfen. Bei der allerersten Vorlesung, die ich 1872 bei ihm hörte (Handschriftenkunde) war ich sehr glücklich, denn einleitend sagte er: das einzige literarische Hilfsmittel sei der hebr. Index in L. Löw. Graph. Requisiten. Der Index stammte von mir und die allerhöchste Anerkennung tat mir sehr wohl. Als St-er einmal überfahren wurde, sagte er zu Frl. A. G(01dberg): ,,Sehen Sie! Ich bin im Leben so viel übergangen worden, daß ich endlich auch über fahren werden mußte". Als ihm damals ein Verband auf den gebrochenen Fuß angelegt, wurde, sagte er im Hinweise auf den damals gegründeten Rabbinerverband: Bei mir kommt erst der Bruch, dann der Ver~ band; bei den Rabbinern erst der Verband, dann der Bruch. Auf die Hochschule war er nicht gut zu reden. Eine Dozentur hatte er glatt abgelehnt, obwohl Lazarus gesagt hatte, St-er’s Gelehrsamkeit reiche für zehn Akademien aus. Zwei Quellen seiner Unzufriedenheit: 1) die Nötigung, zur Abnahme des Eides more judaico ständig vor Gericht zu assistieren, 2) die Zwangslage, die Direktion der jüd. Mädchenschule leiten zu müssen. Von; den St-Briefen, die Sie abdrucken, interessierte mich ganz besonders das Faktum, daß er selbst damals seinen jungen Freund vor Überarbeiten warnte. Lassen Sie vorläufig die Projekte ruhen! (p. 107) Dieser Rat paßt ganz besonders auf Ihr Projekt einer Löw-Jubelschrift. Ich teile seine Meinung und kann mich jetzt für meinen Protest auf St-er’s Autorität berufen. Ich las, eben noch einen Artikel, den von Levias. Ich bedauere außerordentlich, daß.dieser ausgezeichnete Mann umherirrt: er verliert sich m/s Uferlose. Selbst wenn zwischen E m o ,r i und A m har eine Beziehung bestände, seine philologischen Kombinationen sind unannehmbar. . Aber genug von all dem Geschwätz. Ich muß Vorbereitungen für den morgigen Feiertag treffen. Mit herzlichsten Grüßen an Sie und, Ihre liebe Mutter, verbleibe ich Ihr alter Freund Immanuel Löw.