Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Kohut - Löw - Steinschneider - Korrespondenz
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Kohut-Löw-Steinschneider-Korrespondenz 215 Ich veröffentliche sie aus fach wissenschaftlichen Gründen und weil sie auf die Beziehungen zwischen zwei unserer größten Gelehrten helles Licht wirft. Den Zwischenfall des Boykotts der Steinschneiderschen Vorlesungen durch seine Studenten, der in meiner Steinschneideriana in der Freidus-Denkschrift erwähnt und von Löw besprochen wird, erklärt Fräulein Adeline Goldberg, Steinschneiders kritische, treue Gehilfin, ganz anders. In einem Briefe an mich vom 2. August 1930 über dieses Vorkommnis weist sie meine Auslegung zurück und behauptet, daß seine Studenten erst wieder in Gnaden aufgenommen wurden, nachdem sie ihr Unrecht eingesehen und widerrufen hatten. Ein Schriftstück dieses Inhalts befindet sich unter Steinschneiders Papieren. Als eine Sache der historischen Gerechtigkeit wünschte ich jenes Schriftstück zu veröffentlichen, aber es war in der wundervollen Sammlung seiner Personalia in der Seminar-Bibliotliek nicht aufzufinden. Wenn es schließlich einmal entdeckt werden sollte, wird es sich von großem Interesse für die endgültige Erledigung dieser seltsamen Streitfrage erweisen. Löw wiederholt sehr liebenswürdig Steinschneiders väterliehe Ermahnung gegen Überarbeitung, er unterstreicht sie und bittet mich, die Absicht, zu Ehren seines 80. Geburtstages eine Festschrift herauszubringen, aufzugeben. So . zeigt sich, daß zwei der größten jüdischen Gelehrten sich gütig verabredet zu haben scheinen, mich zu beschirmen und mir meine körperliehe Arbeit zu erleichtern, und wieso mein bescheidner Name so eng mit ihnen beiden verbunden ist. S1*. Wohlg. Herrn Rabbinatscandidat u. Doctorand Imanuel Löw, Berlin. Hochgeehrter Herr! Die kurze Zeit, welche ich in Szegedin in Ihrer Nähe verbrachte, zeigte mir hinlänglich die Tiefe Ihres Gemüthes und von Gegenständen, aber sie bandeln ganz besonders von den bibliographischen Anmerkungen und dem literarischen Material, das ich zum vierten Bande seiner ,,Flora“ beitrug. Drei oder vier alte hebräische Trinklieder, die ich ihm sandte, schickte er umgehend in deutscher dichterischer Übersetzung zurück. Eines von ihnen trägt die Überschrift: ,,An George Alexander Kohut, das Opfer der amerikanischen Prohibition.“ — An Temperament, natürlichem-Witz und Intellekt sind Löw und Steinschneider Geistesverwandte.