Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Briefen von W. Gesenius, E. Rödiger, J. L. Saalschütz und J. Ch. Fr. Tuch an Fr. S. F. Benary
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830001-2849888--52601-2850126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
208 Eugen Mittwoch Meine Adr: Wien, Seitenstettengasse No. 494. im ■lten Stock. [Auf der vierten Seite von Saalschütz' Hand:] An die Herren Doctoren Benary Wohlgebb. III. Aus einem Briefe von Rödiger an Benary, datiert: Halle, 17. September 1829. Der Ueberbringer dieses Briefes ist Herr Studiosus Lebrecht aus Baiern. Heiße ihn fiir's erste einmal willkomen. Du kanst ihm vielleicht nützlich seyn, und Du wirst mich sehr verbinden, wenn Du etwas für ihn thust. Seine jüdischen Aeltern und Verwandten, welche, wenn ich nicht irre, in Ungarn leben, sind ihm schon deshalb abhold geworden, weil er sich nach einer protestantischen Universität begeben. Er lebt hier seit etwa 2 Jahren in der größten Dürftigkeit. Um Unterstützung nachzusuchen, verbietet ihm ein gewisses nicht gerade stolzes, aber dafür zu wenig untergeordnetes Gefühl, das man ehren muß. Er ist eigentlieh in einer jüdischen Anstalt gebildet und hat, soviel ich's zu schätzen weiß, eine tüchtige Bewandertheit im Talmud und eine eben so große oder noch größere in der Bibel. Auch in unsern Schulkentnissen hat er sich in kurzer Zeit eine ziemliche Kentniß erworben1, und da er überhaupt Sinn für Sprachstudien hat, so wird er gewiß bald recht gute Fortschritte machen. Jedoch ist die jüdisch-tahnudische Bildung bei ihm überwiegend. Da er nun bei seinen jetzigen Verhältnissen kaum convertieren kann, weil er sonst mit seiner Familie ganz und gar zerfallen würde, was seine Pietät verletzt, so wünscht er vorläufig an einem jüdischen Institute als Lehrer unterzukomen, und er glaubt, daß dazu in Berlin sich vielleicht eine Gelegenheit bietet. Ich kenne die dortigen Verhältnisse zu wenig, Du wirst ihm um meinet- 1 Siehe weiter unten Nr. Y.