Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Motiv vom veruntreuten Depositum in der jüdischen Volkskunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 12)
- Language
- German
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194 A. Marmorstein gibt M. Gaster1. Die Tendenz der Erzählungen ist die, die Heuchelei und Scheinheiligkeit zu geißeln, wie es auch im Susannabuche geschieht. In der letzten Erzählung, der hebräischen ebenso wie der aramäischen, wird die Heuchelei unter Juden damit gezüchtigt, daß der Heide als vertrauenswürdig hingestellt wird. Die Verurteilung der Heuchelei und der Scheinheiligkeit geht bei den Rabbinen so weit, daß das öffentliche Almosenverteilen in der Straße verdammt wird2. Allerdings rügte R. Jannai den Geber der Spende, weil er durch seine Handlung den Armen öffentlich beschämt hatte. Wer nur dem äußern Scheine nach gerecht ist, oder gerecht sein will, in Wirklichkeit aber ungerecht ist, wird nach der Vorstellung der Agada von jedem verurteilt3, wie z. B. im Falle von der Erzmutter Leah. Beachtenswert ist eine Predigt gegen Heuchler, die öfters wiederholt wird im rabbinischen Schrifttum4. Sie richtet sich gegen Leute des Lehrhauses, die sich in Folge ihrer Gelehrsamkeit Rechte anmaßen, die ihnen nicht gebühren. Sie beanspruchten Bibelkenntnisse oder Mischnagelehrsamkeit zu besitzen, waren aber davon weit entfernt. Es muß Elemente im Lehrhaus gegeben haben, die sich rühmten, gewisse Lehren oder Halachastoffe empfangen zu haben, die man nicht kontrollieren konnte. Der Prediger droht mit der Strafe, daß der unehrliche Schüler oder Gelehrte auch sein wirkliches Wissen vergessen wird. Es gab Leute, wie in allen Lebens Verhältnissen, deren Tora nur äußerlich gewesen ist, aber ihr Inneres, ihr Seelenleben unberührt 1 Exempla of the Rabbis, S. 162 f., vgl. auch S. 263, wo noch auf Lonzano und Jellinek zu verweisen ist. 2 b. Hag. 5a, Die Schule Jannais זה הנותן צדקה לעני בפרהסיא. 3 Vgl. Gen. r. 71, 2, ed. Theodor 812 ff. 4 S. nach Eccl. r. 4,2, Lev. r. 16,4, vgl. auch Eccl. r. 5.3, wo die Predigt des R, Benjamin folgendermaßen wiedergegeben wird. (Vgl. auch Midr. Psalmen, ed. Buber, S. 282, abgekürzt.) אל תתן את פיך — אל תתן רשות לפיך " לחטיא את בשרך — להחטיא את גופך בלימודך ואל תאמר לפני המלאך — זה הרב * כי שגגה היא — עביד גרמיה קרי ולא קרי תגי, ולאתני ♦ למה יקצוף האלהים על קולך — על הקול שאמרת הדא הלבה אמר לי, הדין פרק אמר לי* וחבל את מעשה ידך — אפילו מיעוט הלכות שבידי אותו האיש הק״בה מכנים בהן שכתה ומארת ומאבדן ממנו