Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Berührungspunkte zwischen talmudischem und umweltlichem Denken
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 1)
- Language
- German
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180 Michael Guttmann Berührungspunkte zwischen talmudischem und umweltlichem Denken. Von Michael Guttmann. Bei aller Verschiedenheit individuell möglicher Denkformen ergibt sich doch auch manch Stereotypes, wenn man nur die Denkkreise selbst mit entsprechender Genauigkeit zieht: sie einerseits fachtheoretisch vorsichtiger abgrenzt, andererseits auf Zusammenstimmung von Zeit uncj Ort achtet. Innerhalb solcher Kreise wird man nicht selten Übereinstimmungen finden auch dort, wo man sie weniger erwartet, auf dem Gebiete rein intuitiver und glaubensmäßig gebundener oder folkloristisch orientierter Denktätigkeit. Und man wird sie auch, was noch .viel weniger vermutet wird, zwischen Geisteswerken finden, die einander ganz fremd gegenüber zu stehen scheinen, wie dies im allgemeinen vom Talmud und seinen zeitgenössischen Literaturen angenommen wird. Nach dieser Richtung ist bereits viel Wertvolles von jüdischer Seite geleistet worden. Hier soll bloß unser Jubilar, Immanuel Löw, im besondern genannt werden, dessen wissenschaftliche Tätigkeit von Beginn an vergleichstheoretisch gerichtet war, und dem es gelungen ist, die vergleichstheoretische Methode auf einem wichtigen naturwissenschaftlichen Gebiet, auf ,,die Flora der Juden'' bis in ihre letzten Einzelheiten durchzuführen. — In den nun folgenden Zeilen sollen bloß einige Legenden Aufnähme finden, deren außerjüdische Gegenstücke bisher weniger Beachtung gefunden haben. Nicht ohne Absicht wählen •wir die Beispiele aus naturgeschichtlichem Gebiete. Vom ״e^t h i s c h e n Instinkt der Tiere. — Im Talmud sind einige Legenden aufbewahrt, die Tieren besonders frommer Menschen einen eigenen ethischen Instinkt beilegen. So z. B. hat der Esel des R. Pinchas b. Jair kein Futter zu sich nehmen wollen, von dem das Zehnt nicht entrichtet war. (Chull. 7 ab.) — Der Esel des R. Chanina b. Dosa wurde von Räubern gestohlen, nahm aber von den neuen Besitzern kein Futter an. Sie sahen sich veranlaßt, das Tier wieder zurückzustellen (Abot di R. Nathan § 8 Ende). Diese Stellen wurden von Eisenmenger (Entdecktes Judentum I, 421 f) als jüdische Kuriositäten ausgebeutet. — Vergleichsgeschichtlich steht die Sache anders.