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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 120

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Ein Prinzip der Mischnaredaktion
Date
1934-01-01
Page
Seite 120 (sequence 2)
Language
German
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120 Ludwig Blau Leben, das beim jüdischen Volke die einzige Lebensaufgabe bildete., in eine sichere Bahn geleitet. Die Überlieferungen, selbst die in der Mischna an Namen von Autoritätendes zweiten Jahrhunderts geknüpften sind zum überwiegenden Teile uralt,es fehlte nureinalleszusam menfasen des einheitliches Werk. Ein solches wurde erst um die Mitte des zweiten Jahrhunderts geschaffen, denn trotz der .bedeutenden Forschungen von Zacharias Frankel und seiner Nachfolger über die Mischna, ganz sicher ist doch nur der bekannte Ausspruch R. Jochanan bar Nappachas (st. 279): Die Mischna schlechtweg stamme von R. Meir (Baba Mezia 86a סתם מתניתין ר׳ מאיר). R. Jochanan war der größte Kenner der Tradition, er kannte noch die Mischna des R. Meir in ihrem Wortlaute, Wenn erz. B. sagt: ,,das sind die Worte R. Meirs“ (זה דברי ר׳ מאיר) ist das nicht so zu verstehen, Jochanan äußere lediglich eine Ansicht, sondern so, daß er dies auf Grund seiner Kenntnis der Original-Mischna R. Meirs aussagt. Wohl hat David Hoffman n (die erste Mischna, Berlin 1882) zu erweisen versucht, daß einzelne zusammenhängende Stücke unserer Mischna aus der Zeit des Tempelbestandes herrühren, dies beweist indeß nicht, daß es damals bereits ein Gesamtwerk gegeben habe. Etwa hundert Jahre (150—250) wurde an der Mischna des R. Meir gearbeitet, bis sie ganz zum Abschluß kam. Sie wurde nicht nur erweitert — es erscheinen Autoritäten in großer Zahl aus späterer Zeit — sondern gewiß auch manches ausgeschieden, wie auch vieles ergänzt. Über diesen letzteren Punkt will ich hier eine nicht unwichtige Wahrnehmung vorlegen. System ist griechisch und nicht jüdisch. Selbst die sachliche Ordnung ist in der Mischna nicht durchgängig durchgeführt, was besonders im Seder Nezikin in die Augen springt. Die Wiederholung derselben Materie in verschiedenen Traktaten widerspricht dem System, wie auch der Umstand, daß man nie sicher wissen kann, in welchem Traktat eine Halacha zu finden ist, was einmal selbst Maimonides den größten Systematiker des Gesetzes in• Verlegenheit brachte. Es gab im Wesen bloß Prinzipien, nach denen einzelne nur derselben Form, nicht der Sache nach zusammengehörende Halachoth nebeneinander

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