Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Erklärung einer Stelle in der Tefillah
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Erklärung einer Stelle in der Tefillsh 119 Formel-angenommen werden kann1, so dürfen wir dem Natrönä'1- Text die Originalität zusprechen. In dem uns vorliegenden Talmudtexte (b. Beräkh. 60b) hat bereits eine Angleichung an die Formel der ersten Tefillah-Benediktion, und zwar im Sinne ihrer — wie wir daraus sehen können — sehr früh eingetretenen verstündlichen Erklärung stattgefunden. Dem Gäön Natrönä'1 lag der noch nicht aufgefüllte ursprüngliche Text vor. Somit kann der Text des שחרגילג ו- Gebetes unserer Auffassung von חס׳ טו׳, als von גומל regiertem doppelten Akkusativ, nicht als Ein wand entgegengehalten werden. Budapest, 20. Januar 1914. Ein Prinzip der Mischnaredaktion. Von Ludwig Blau. Die Mischna ist ein Werk sui generis, zu welchem es weder in der orientalischen noch in der klassischen Literatur eine Analogie gibt. Es ist ein Gesetzbuch seiner Art und zugleich ein Lehrbuch des Gesetzes, nicht wie Weiß im Dor Dor we-Dorschaw und seine Nachbeter meinen, lediglich ein Lehrbuch des Gesetzes. Man hätte nach dieser Auffassung ein Lehrbuch zu einem nicht vorhandenen Gesetze geschrieben. Daß verschiedene Ansichten mitgeteilt werden, beraubt das Werk nicht des Gesetzes- Charakters. Das fast gleichzeitig zum ersten Mal kodifizierte Römische Recht bringt auch mehrere Ansichten über dieselbe Norm. Man wäre sogar versucht — es handelt sich um die Zeit Hadrians — anzunehmen, es sei auch von dieser Seite irgendwelche Anregung gekommen. Doch dies nur nebenher, denn die inneren Verhältnisse des jüdischen Volkes nach der furchtbaren Verwüstung, welche der etwa zwanzig Jahre von Trajan bis Hadrian dauernde Freiheitskampf zur Folge hatte, drängten zu neuer Organisation, in welche die Sammlung und Zusammenfassung der mündlichen Überlieferungen den hervorragendsten Platz einnahmen, denn durch sie wurde das religiöse 1 Dasselbe gilt übrigens auch von den später erfolgten Erweiterungen der birkath ha-gömel.