Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Erklärung einer Stelle in der Tefillah
Date
1934-01-01
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830001-2849880--52498-2850036
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

118 Ignaz Goldziher weist", oder (״jenen, die sie üben") ״vergilt". Der Pleonasmus, den diese Erklärung mit sich führt, kann nicht übersehen werden. Als könne es Gnaden, Wohltaten geben, die anders als gute seien. Diese Schwierigkeit wird aufgehoben, wenn wir, was in diesem Falle auf die richtige Erklärung führt, annehmen, daß in unserem Text das Verbum נמל, wie in einigen Bibelstellen, mit doppeltem Akkusativ konstruiert ist: ״der Gnaden (חסדים) erweist den Guten“ (טובים Acc.). Dadurch ist der Pleonasmus aus dem Wege geräumt, der dem in klassischem Stil abgefaßten Gebetstück von vornherein nicht zuzumuten ist. Dieser Erklärung konnte der Schluß (ותגמלנו חסדים טובים) des mit den Worten ויהי רצון מלפניך... שתדגילנו בתורתך וכד beginnenden Morgengebetstückes und die sich daran anschließende Benediktion (Variante: ברוך ... גומל חסדים טובים לעמו ישראל (לבריותיו entgegengehalten werden. Hier könnte טובים unmöglich als zweiter Akkusativ gefaßt werden, da dieser einesteils durch das Suffix in וחגמלבו ausgedrückt, andernteils (in der Benediktion) mit ל pers. umschrieben ist. Diese Einwendung erledigt sich nun durch die Erkenntnis, daß der hier als Ausgangspunkt genommene Text nicht ursprünglieh ist. Die ursprüngliche Fassung desselben scheint in einem aus einer Genizah-Handschrift von L. Ginzberg herausgegebenen Responsum des Gäön Natrönäi erhalten zu sein, (Geonica [New York 1909], Texts and Studies of the Jewish Theological Seminary oh America Vol. II, S. 115 unten). Hier fehlten, wie bereits Ginzberg (S. 109) darauf aufmerksam macht, die Worte ותגמלכו חסדים טובים, die zur Benediktion hinüberleiten (und wohl später — als מעין החתימה — hinzagefügt wurden, um letztere inhaltlich besser zu motivieren)1 und die Benediktion selbst lautet bloß: גומל חסדים. Da nicht vorausgesetzt weiden kann, daß eine ursprünglich vollere liturgische Formel in späterer Zeit verkürzt wurde, vielmehr eher die spätere Auffüllung einer ursprünglich knapperen 1 Der nach R. ‘Amräm benannte Seder (ed. Coronel, Warschau 1864, ed. Frumkin, Jerusalem, S. 60) gibt (wohl nach späterer Interpolation) diese Worte, während die Schlußbenediktion lautet: בא״י גומל חסדים טובים.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.