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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 82

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
Date
1934-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 Samuel Krauß weil es ihrem dichterischen Geschmack gefällt, festzustellen, daß der Text etwas Ländliches und Idyllisches voraussetzt. Vom Weinberge ist die Rede, von Wohlgerüchen im Garten, von der Lilie Sarons usw. — wie ist das anders möglich als auf dem Lande? Und in der Tat, das Liebliche der Landschaft scheint allerorten hervorzuleuchten, aber eine Stelle (HL 4g) steht dem wie ein ragendes Hindernis entgegen: ,,Mit mir, o Braut, vom Libanon her, mit mir komm' vom Libanon her, blick' her vom. Gipfel des Arnanah, vom Gipfel des S’nir und Hermon, von den Höhlen der Löwen, von den Bergen der Panther“. Diese ,,Berge“ des Kinder־• nisses müssen zu allererst weggeräumt werden. Es ist mir nicht möglich, hier auf die Ansichten der Ausleger einzugehen; meiner Ansicht nach gehen sie alle fehl. Den meisten Anklang hat noch das gefunden, was Paul Haupt (Biblische Liebeslieder, Lpz. 1907, S. 50) im Namen von J. (d. i. K. G. Jacob) vorträgt; es würde sich um eine Hochzeitssitte handeln, die noch heute sich unter den Beduinen erhalten hat. Haupt selbst macht dagegen Einwendungen; für ihn hat das Stück die Bedeutung: ,,Ich will dich schützen vor allen Gefahren“. Die Ausdrücke des Textes nimmt er wörtlich. Aber gerade das ist der Fehler. Nach der sogenannten wasf-Theorie (W etzstein bei Delitzsch) sind Ausdrücke wie ,,König“, ,,Salomo“ und dgl. im HL nur angenommene Hochzeitsfiguren, ein König, ein Salomo des Hochzeitsspieles. Auch in 4S, so glaube ich, liegt die Übertreibung des Hochzeitsspieles vor; die Braut vom jenseitigen Gehöfte, das vielleicht wirklich etwas höher gelegen war als das des Jünglings, möge von dieser ,,Höhe“ da, die scherzhaft ,,Libanon“, ,,Arnanah“, S’nir und Hermon genannt wird, herüberblicken, herüber vom Gehöfte der feindlichen Brüder (vgl. HL l6b; 8g f.), das ihr und ihm als Löwen- und Leopardenhöhle erscheinen mag. Ich glaube, daß in dieser Auslegung gar kein exegetischer Zwang vorliegt. Aber dem sei wie ihm wolle — in die ländlich blühende Landschaft werden wir versetzt nicht nur durch Stellen wie 2n ff., wo übrigens ,,mein Täubchen im Geklüft des Felsens“ mir nicht anmaßender zu sein scheint als jene Löwen- und Leopardenhöhlen, sondern auch durch 7l2 ,,gehen wir auf's Feld“ usw. und auch durch ,,ich beschwöre euch . . . bei den Gazellen oder bei den

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