Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 3)
- Language
- German
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66 Besprechungen Ein weiterer grundsätzlicher Irrtum des Verfassers ist der, daß die Juden zu allen Zeiten dem Christentum feindselig gegenübergetreten sind1. Für die ersten Jahrhunderte mag das zutreffen, mancher Rest einer Polemik ist erhalten; aber von welch geringem Einfluß dieses .Verhalten auf die spätere Zeit war, zeigt die Tatsache, daß der Talmud kaum noch glaubwürdige Notizen über Jesus oder die Anfänge des Christentums yor sich hatte2. Späterhin;standen die Juden dem Christentum gleichgültig,;viel zu gleichgültig gegenüber. Es war ihnen fremd, sie lehnten es ab, ohne sich, bis auf verschwindende Ausnahmen, mit ihm auseinanderzusetzen, wenn, sie nicht dazu :gezwungen wurden.. Von den christlichen Menschen hatten sie genügend zu leiden, denen standen sie mit Furcht und Haß gegenüber, aber die christliche Lehre ignorierten sie— es sei denn, daß sie durch Religionsgespräche zur Auseinandersetzung mit ihr gedrängt wurden. Aber auch dann bewegte sich auf beiden Seiten der Streit in dem scholastischen Gezänke, ob die Messianität Jesu oder einige christliche Glaubenssätze aus dem Alten Testament zu beweisen waren oder nicht -rerst der S; 215 erwähnte Juda ihn Verga versuchte, wie Fritz Baer nach׳* gewiesen hat, eine ernste Stellungnahme zu der christlichen Umwelt.: Was bedeutet die gesamte bei De Rossi, Bibliotheca judaica an ti Christi an a, verzeichnete Literatur gegenüber, dem;sonstigen jüdischen Schrifttum? und, so.darf man weiter fragen, wer hat sie gelesen? Sie blieb meist hancl.- schriftlich. Nichts weil es schwierig oder gefährlich war, sie zu drucken — in der Türkei oder in Holland brauchte man die Zensur ja nicht zu fürchten — und. das Chis.uk Emuna von Isaak Troki (S. 257) wurde tatsächlich gedruckt — sondern ־weil keinerlei Interesse für diese Literatur vorhanden war. Gewiß, es gab das schreckliche Machwerk der Toldoth Jeschu. Wie es um dessen;Entstellung und .Verbreitung steht, ist aus dem vom. Verfasser (S. 317.) erwähnten .Buche von S. Krauß .zu entnehmen — in den Druck gebracht; wurde es durch;christliche Gelehrte, die es lateinisch übersetzten und widerlegten. In der. Neuzeit bat.die enge, kulturelle Berührung zwischen Juden und Christen und der־ starke , Druck der Mission auf ehrgeizige Juden (der niclit immer so sanft ist, wie nach S. 367 scheinen könnte} naturgemäß eine geistige Auseinandersetzung veranlaßt, aber!venn man von gelegentlichen taktlosen Bemerkungen einiger auch dem Judentum fremd- und ablehnend ,gegenüberstehender Journalisten absieht,• darf man wohl׳sagen, daß sie von jüdischer Beite sachlich und mit dem schuldigen Respekt geführt, worden ist.. Nur das ist :.und kann auf jüdischer Seite das Ziel sein, daß. auf dem Boden der Offenbarungsreligiön eine gemeinsame Grundlage für eine rein geistige Auseinandersetzung geschaffen werde. 1 Daß ״das Gehet gegen die Ketzer‘*sich gegen alle zum Christentum B e ke h r t e richtet, ist trotz Alfons0 Bürgensis (S. 157) falsch, der alte Text war auch längst wiederholt geändert. Auch was S. 49 über das gleiche Gebetstück steht, ist nicht zutreffend; vgl. Elbogen, Jüd. Gottesdienst, -S. 36 ff, 252 f. 1 ־ : ־; . V; ■־■ 2 Vgl. M. Guttman n MGWJ LXXV, oben S, 255 f. . :;