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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 1
Article
Frummet Meisel
Date
1932-01-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 D. Herzog die Inschrift auf dem Grabsteine Frummet Meiseis, die alle in geradezu schwärmerisches Lob über Frummets Tugenden ausmünden. Demgegenüber möchte ich nun zunächst bemerken, daß diese enthusiastischen Auslassungen und der Bericht des Anonymus sich durchaus nicht widersprechen müssen. Denn die Schilderung des David Gans und die Inschrift auf dem Grabsteine beziehen sich auf das Verhalten Frummets in der Außenwelt, das ganz gewiß — daran zweifle ich nicht einen Augenblick — ein tadelloses gewesen sein dürfte, was aber durchaus nicht hinderte, daß ihr Eheleben ein getrübtes gewesen sein mochte. Menschen, die in ihrem Verhalten zu ihrer Umwelt keine Veranlassung zu Tadel oder Klage geben, sind in ihrem häuslichen Leben oft unausstehlich und wahre Tyrannen. Darum also, weil Gans auch sonst nur wahrheitsgemäß berichtet, über Frummet nur Gutes zu berichten weiß, darf er durchaus nicht glaubwürdiger als der Anonymus gehalten werden. Denn dieselbe Wertung, die Lieben mit Recht für die Wahrhaftigkeit des David Gans in Anspruch nimmt, muß auch dem Anonymus zugebilligt werden, dessen Mitteilungen durchweg einer ernsten Überprüfung — genau wie die des David Gans — standhalten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß der Anonymus gegen die Gattin eines iii den weitesten Kreisen angesehenen Mannes aus reiner Gehässigkeit sich so geäußert haben würde. Man lese doch nur einmal diesen Bericht und man wird sich doch sagen müssen, man schreibt nicht solches, wenn man nicht genaue Informationen darüber gehabt hätte. Denn auch im 17.. Jahrhundert gab es doch so etwas wie Gerichte. Überdies hätte eine aus der Luft gegriffene Beschuldigung dieser Art einen Sturm der Entrüstung in weitesten Kreisen aüslösen müssen. Wir lesen aber in der ganzen zeitgenössischen Literatur nichts von einer solchen Entrüstung. . Mir zumindest ist keine Stelle bekannt, in der die Auslassungen des Anonymus desavouiert worden wären. Nun könnte ja Lieben einwenden, wer wird in diesen Belangen besser informiert gewesen sein, der in Prag in der unmittelbaren Nähe Meiseis wohnende und gewissenhaft berichtende David Gans oder aber der weit entfernt wohnende Anonymus? Aber erstens wissen wir. nicht,, ob der Anonymus, wenn er auch sein Buch in Italien geschrieben hat, nicht auch eine Zeitlang in Prag sich

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