Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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Bernhard Heller alters“1. Da nun meine Auffassung hierüber vor die gelehrte Öffentlichkeit gelangt ist, glaube ich mich verpflichtet, diese Anschauung auch wissenschaftlich zu begründen, umso eher, weil ja die Forschungsergebnisse Paul Lehmanns auch auf diese Frage Licht werfen. Da die jüdischen Judas-Legenden ' in den verschiedenen Fassungen des Tholdoth Jeschu enthalten sind, verwies ich Prof. Lehmann vorerst auf das grundgelehrte Werk von Prof. Samuel Krauß: Das Leben Jesu nach jüdischen Quellen, Berlin 19022. Meine Kenntnisse von der jüdischen Judaslegende verdanke ich dem Buche Krauß3, doch meine Anschauungen über diese Legende weichen völlig von der Seinigen ab. Krauß glaubt an eine ,,in jüdischen Kreisen erhalten gebliebene Überlieferung, wie wir sie ja in dem einen oder anderen Punkte den Tholdoth-Schreibern . . . zugestehen müssen“ (S. 157), glaubt an ,,schätzbare Nachrichten, die uns im Tholdoth auf bewahrt sind“ (S. 190), glaubt, daß Tholdoth ,,die lebendige jüdische Überlieferung aufzeichnet; ein Teil dieser Überlieferung gelangte im Talmud, der andere Teil im Tholdoth zur schriftlichen Fixierung“ (S. 242). Ich glaube an diese lebende Überlieferung des Tholdoth überhaupt nicht, beschränke mich hier aber darauf, diesen Zweifel, diese unbedingte Verneinung hinsichtlich der Judaslegende zu begründen. Eine geschichtliche Überlieferung über Judas lebte auch in der alten Kirche nicht — wie dies aus den Widersprüchen über Sühne und Tod des Judas erhellt ־— es ist ja sogar übertriebenerweise in Frage gestellt worden, ob es überhaupt einen Apostel Judas Ischariotes gegeben habe. Aus der Forschung Paul Lehmanns und seiner Vorgänger wird klar, daß Jahrhunderte 1 Studi Medievali. Nuova Serie. Torino 1930, S. 289—346. Unzugänglich ist mir leider Paul Franklin Baums von Lehmann gepriesene Arbeit: The mediaeval Legend of Judas Iscariot, in Publications of the Modern Language Association of America XXXI,632—481 ׳. 2 Jüdischefseits wäre noch zu erwähnen: E. N. Adler in REJ. 1911, LXI. 126—130, Sam. Krauß, REJ. 1911, LXII. 28—37 und vorzüglich Louis Ginzberg, Ginze Schechter I. 324—338. 3 Im Index s. v. Juda Ischariota wäre noch zu ergänzen S. 34, 42 t9 144, 158, 162 f., 172, 189, 193.