Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 1)
- Language
- German
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75 Ernst Golm-Wiener: Die jüdische Kunst. (Berlin Verl. M. Wasservogel, 1929, . 268 S., 171 Abb.) Der Verfasser bringt in dem schön ausgestatteten Werke eine überaus wertvolle Arbeit, die umso höher zu werten ist, als er sich der anerkennenswerten Mühe unterzogen hat, erstmalig die Geschichte jüdischer Kunstbetätigung von ,den Anfängen bis zur Gegenwart zu behandeln. In Wirklichkeit aber sind nur 38 Seiten der neueren Kunst gewidmet. Das ist gewiß kein Nachteil, weil es immer bedenklich erscheinen mag, eine in der Entwicklung befindliche, durchaus noch nicht abgeschlossene Materie wissenschaftlich zu behandeln. Tatsächlich sind die Musterbeispiele, die der Verfasser hierzu bringt, sowohl hinsichtlich der angeführten Persönlichkeiten als auch deren Werke immerhin anfechtbar und nicht immer glücklich gewählt. Auch ist die Plastik, für die das Judentum namhafte Vertreter in seinen Reihen aufweist, unberücksichtigt geblieben. Es wäre vielleicht richtiger gewesen, das Werk mit der Eman zip ations zeit abzuschließen und die neuere Kunst gesondert zu behandeln. Was hingegen den ersten Teil des Werkes anlangt: Die Kunst der Frühzeit bis einschließlich 18. Jahrh., so muß der Fachmann der tiefgründigen Art der Behandlung dieses Stoffes uneingeschränktes Lob zollen. In ausgezeichneter Sprache, auch für den Laien verständlich und belehrend, sind Probleme aufgerollt und kunsthistorische Themen behandelt, die bisher kaum anderswo in gleicher Vollständigkeit veröffentlicht wurden. Einzelne Proben mögen dies erläutern: Die Frage des Bildverbotes ist in überaus klarer Weise behandelt. Der Verf. läßt das Judentum in dieser Frage sogar weniger engherzig erscheinen als den Islam. Die Form, sagt er, sei dem Judentum nicht Selbstzweck, sondern Mittel gewesen zur Vertiefung des Inhalts seiner Religion; Wenn er aber die Reliefplastik von der Nähe des Heiligsten ausschließt, so scheint er die Bundeslade mit ihrem figürlichen Schmuck übersehen zu haben. —• Recht wertvoll ist auch der Hinweis auf die Beeinflussung des Judentums in seiner Kunst durch die phönizische Kultur, ein Einfluß, der sich besonders beim salomonischen Tempel geltend gemacht hat. Der Verf. weist u. a. auf die ethymologischen Beziehungen von Cherubim Greif gryph hin. Im übrigen wäre es m. E. aber erwünscht gewesen, auf die zahlreichen Publikationen über den Tempel hinzuweisen; denn so verfehlt dessen Rekonstruktionsversuche auch sein mögen, der Leser wird immer wieder in einem Werke über älteste jüdische Kunst vor allem diejenige des Nationalheiligtums suchen, die hier leider nur spärlich behandelt ist. Das ,,Vorkragen“ der Tempelmauern (S. 34) scheint ferner ein Trugschluß zu sein; der Techniker erblickt in den Absätzen der Mauer vielmehr ein statisches Moment, ferner auch eine Notwendigkeit zum Auflegen der Balken für die Anbauten. Ein weiterer großer Wert des Werkes liegt im Heranziehen von Abbildungen aus neuer und neuester Literatur, die sonst nur schwer zugänglich ist. Die Illustrationen aus Jericho, Megiddo, Delos, Elche, Hamman-Lif, Milet, Priene usw. bilden eine überaus wertvolle Ergänzung zu dem bekannten Werke von Kohl-Watzinger über die antiken Synagogen Galiläas; sie werden das Studium des genannten Werkes dem Interessenten wesentlich erleichtern können. — Ueber die jüdische Symbolik, die in neuerer Zeit großem Interesse, besonders in nichtjüdischen Kreisen, begegnet, bringt der Verf. den wertvollen Hinweis, daß sie sich zuerst in den Münzen der Makkabäer äußert, die im Gegensatz zu denen aus Herodianischer Zeit mit ihrer Anlehnung an den römischen Typ alles Figurale bewußt vermeiden. — Diese Symbolik wird ebenso geist- und wertvoll erläutert an den Inschriften der jüdischen Katakomben, die man im übrigen gerne ausführlicher behandelt gesehen hätte. Immerhin erscheint hier wie auch in anderen Kapiteln die Erläuterung der Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und griechischer Kunst ans chauung ungemein wertvoll. Besonders ausführlich ist das Kapitel der jüdischen Buchillu - ( min ationen behandelt. Hierüber,hat auch Frauberger bereits berichtet; aber die Behandlung dieses Stoffes erfolgt aus einer suveränen Beherrschung der Materie, derart, daß man dieses Kapitel als das Wertvollste und Gediegenste des ganzen Werkes bezeichnen möchte.