Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 1)
- Language
- German
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30 Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark. Von D. Herzog. So ziemlich gut wir heute bereits über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden im Mittelalter in der Steiermark, ihre nicht geringe Bedeutung für Handel und Wandel durch die vielen, an zahlreichen Stellen aufbewahrten Urkunden unterrichtet sind1 — eine übersichtliche Darstellung hierüber ist von mir geplant —, so wenig, ja fast nichts wissen wir eigentlich über das Innenleben derselben‘ Dies ist umso verwunderlicher, als es ja hierzulande nicht wenige bedeutende jüdische Siedlungen gegeben hat. Ich brauche nur an Graz, Bruck a.M., Hartberg, Judenburg, wo der Geldhandel der Juden weit über die Landesgrenzen Bedeutung errungen hatte2, Marburg a. Dr., Murau, Pettau, Voitsberg und Wiener Neustadt, das ja damals ebenfalls zur Steiermark gehörte3 und in der Israel Isserlein4, nachdem er vorher in Marburg a. Dr. gewirkt, seine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet hatte5, zu erinnern, die alle, wie wir dies aus den Urkünden, ermitteln können, eine ziemlich bedeutende jüdische Bevölkerungsschicht aufzuweisen hatten. Und trotzdem wissen wir von ihrem Innenleben so gut wie gar nichts. Wären wir nicht durch gelegentliche Notizen Isserleins in seinen Schriften6 und das Buch 1 Ygl. die treffliche Arbeit von Artur Rosenberg, Beiträge zur Geschichte der Juden in Steiermark in ,,Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Oesterreich“, VI. Band, Wien und Leipzig 1914 (Ros.). 2 Vgl. jetzt auch Ros. in Jüd. Lexikon, B. III, S. 418, s. v. Judenburg. 3 Bald nach dem am 19. August 1493 erfolgten Tode Kaiser Friedrichs hat der Stadtrat von Wiener Neustadt zu erwirken gesucht, daß er weiterhin nicht mehr auf den Landtag und auf das Hubamt in Steiermark gefordert werde. Vgl. Mayer Josef, Geschichte von Wiener Neustadt, Wien. Neustadt 1926, II, 76 f. Es ist darum unrichtig, wenn Berliner, MS. a. a. O., 133, Anm. 1, aus פסקים ■Nr. 189 einen Unterschied zwischen המדינה זו und ארץ מולדתי, wobei er unter ersterem das Erzherzogtum Oesterreich und unter letzterem die Steiermark versteht, statuieren will. 4 MS. XVIII (NF. 1), 130 f., 177 f., 224 f., 269 f. und 315 f. 5 Pollak Miksa, A zsidök Becs-Ujhelyen (Die Juden in Wiener Neustadt), Budapest 1892, S. 57 ff. Ein Teil dieser Arbeit ist auch in deutscher Sprache in der Zeitschrift ״Jüdisches Archiv“, Wien 1927 u. 1928, B. 1 u. 2 erschienen. 6 Hinweise von anderen Gelehrten auf Verhältnisse in der Steiermark haben sich bislang nur spärlich gefunden. Von dien Schriften Isserleins kommen namentlich sein תרומת הדשן und seine פסקים וכתבים für unseren Gegenstand in Betracht. Wenn Graetz, GdJ. VIII3, 211, Anm. 3 bei Aufzählung der Schriften Isserleins sagt: Seine Schriften sind 1. Beantwortung fingierter Anfragen 2;שאלות. wirklich erteilte Responsen und Anfragen פסקים וכתבים, beide unter dem Titel 3;תרומת הדשן. Erklärungen zu Rasis Pentateuchkommentar und 4. Anmerkung zu Israel Dürens שערי חרא, so bedarf fast jedes Wort in dieser Anm. einer Richtigstellung. Denn 1. hat Isserlein nie ein mit fingierten Fragen aufgefülltes Werk, das den Namen שאלות geführt hat, geschrieben, sondern im תרומת הדשן, einem Buche, das 354 Abhandlungen in Form von Responsen enthält, daher der Name דשן (im Zahlenwerte gleich 354), finden sich tatsächlich einige fingierte, vom Verfasser selbst gestellte Fragen und deren Beantwortung, alle anderen aber enthalten tatsächlich Antworten von an ihn gestellten Anfragen. Graetz dürfte sich da zum Teil vom ש״ך zu ש״ע י״ד Kap. 196, n. 20, בית שמואל zu ש״ע א״ת Kap. 130, n. 20 und פרי מנדים in der Einleitung seines Komm, zum ש״ע י״ד irrtümlich beeinflußt