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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 1 · p. Seite 74

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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74 seine freimütige und impulsive Meinungsäußerung sich die Mißbilligung Herzls zugezogen habe, als dessen Mitstreiter er die ersten Erfolge und Leiden der jungen Bewegung erleben durfte. (S. 305). Trotz seiner entschiedenen Stellung übersieht L. keineswegs die Gefahren, die sich aus einem leidenschaftlichen und unbewachten Bekenntnis zur nationalen Idee ergeben. Denn jene Entschiedenheit hat in bezug auf Zeugnisse der Erinnerung und mit dem Verstand zu wägende Tatsachen bisweilen die Wirkung, daß das überlieferte Bild geschichtlicher Persönlichkeiten erheblich anders aussieht als ihre wirkliche Erscheinung. So hat beispielsweise, meint L., die Seele des jüdischen Volkes so bedingungslos für David, den König, Partei ergriffen, daß man ihm seine nicht geringen Fehler ohne weiteres verzieh, seine Tugenden jedoch potenzierte (S. 20ל ff). Hingegen hat man Herodes zu hart beurteilt, indem man seine verdienstlichen Seiten verkleinerte und seine Fehler unterstrich. Und das nach des Verfassers Ansicht nur darum, weil der König ein fremdstämmiger Usurpator war und die Sympathien des Volkes auf unerklärliche Weise mit denen waren, die er verfolgte, mit den Nachfahren der Makkabäerhelden, die sittlich entartet waren und unverdient die Neigung ihrer Untertanen besaßen (ebd.). Manches fesselnde Thema hat in dem Büchlein geschickt seinen Platz gefunden, manche interessante Frage wird darin aufgeworfen. Ich greife einige heraus: Ist der Unterschied von christlicher und jüdischer Religion mit den Begriffen Pessimismus und Optimismus wesenhaft gekennzeichnet? (S. 79). Ist die landläufige Auffassung, die späteren jüdischen Gesetzesautoritäten seien weltfremde Eiferer gewesen und seien darauf ausgegangen, das Leben zu erschweren, berechtigt? (S. 64). Das Agunothproblem (S. 196 ff). Die Grundkräfte der Menschheitsgestalfung, der Selbsterhaltungstrieb und die ihn begrenzende Macht des Religiösen, im Kampf miteinander und die wechselvoile Kampflage im Laufe der Menschheitsgeschichte (S. 223 ff). Der Leser wird die ,,Bekenntnisse“ nicht ohne erheblichen Gewinn zur Hand nehmen. Nicht allein, weil der weitgereiste Verfasser ihn hinführt zu den Judensiedlungen diesseit und jenseit des Ozeans und ihn bekannt macht mit den Sorgen, Idealen und Verkehrtheiten seiner Stammesbrüder, sondern mehr vielleicht darum, weil aus jeder Zeile des Buches des Verfassers Liebe zu einem kernigen, vollströmenden Judentum und sein tiefes jüdisches Verantwortungsbewußtsein spricht. Das Buch ist hebräisch geschrieben, in jener, ungekünstelten und durchsichtigen Sprache, die wir an den Werken Landaus gewohnt sind und schätzen. Max Katten. Jacob Klatzkins Thesaurus Philosophicus linguae Hebraicae et veteris et recentioris 1 יעקב קלצקין. אוצר המונחים הפילוסופיים ואנתולוגיה פילוסופית. und II. Band (א־־־מ), Leipzig 1928. Vor knapp 50 Jahren1 bewunderte David Kaufmann im mittelalterlichen Hebräisch das merkwürdigste Geistesgut, das jüdische Forschung geschaffen hat. Aus dem wortkargen und begriffsarmen Althebräisch haben jüdische Denker eine Sprache ausgebaut, die weit über die Bedürfnisse des rein Religiösen hinausging. Im Mittelalter entstand ein reiches hebräisches Schrifttum über Mathematik, Astronomie und Naturwissenschaften. Bedauernswert fand es David Kaufmann, daß die Neuzeit diesen Geistesschatz nur in sehr geringem Umfange sich zunutze gemacht hat. ,,Noch fehlt es an einem Wörterbuch, das all die künstlichen Bildungen verzeichnete, in denen ein Idiom, dem vom Hause aus alle Abstraktion fremd ist, die Bedürfnisse der feinsten logischen Distinktion befriedigt und Wörter für Bedeutungen hergibt, die den Ursprungliehen Trägern dieser Sprache unbekannt waren. Die lebensfähigen Fortbildungen, die glücklichen Erfindungen sind noch ebensowenig zusammengestellt und gemustert worden, wie die totgeborenen Kunstwörter, die Vergewaltigungen und Sprachsünden, ohne die es selbstverständlich in einem so kühnen Unternehmen nicht abgeht.“ Diesem Mangel ist nun abgeholfen. Ein Wörterbuch der metaphysischen, mathematischen und exakten Wissenschaften, soweit sie in der hebräischen 1 ZDMG Bd, 37, Leipzig 1887, S, 230,

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