Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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71 von je undenkbar war. Unrichtig ist es ferner zu sagen, daß die Scheidung nur vom Mann ausgehen kann und nicht von der Frau. Es ist wohl so, daß in der äußeren Form der Scheidung der Mann der den Scheidebrief Ausstellende ist, aber rechtlich stand auch der Frau das Verlangen nach Scheidung zu, und das Gericht übte gegebenenfalls auf den Mann den Zwang aus, den Scheidebrief zu geben und die Frau freizulassen. Offenbach a. M. Dienemann The Arabic Comment&ry of ‘All hon Suleimän tke liaralte on the book of Genesis. Edited from unique manuscripts and providet with critical notes and introduction by Solomon L. Skoss, M. A. Ph. D., Philadelphia (The Dropsie College for Hebrew and Cognate Learning). 1928. 1 Tafel VIII -f 211 + (1) SS. 8°. Diese Veröffentlichung des jungen amerikanischen Gelehrten S. L. Skoss hat für die Geschichte der hebräischen Grammatik, der Bibelexegese und der karäischen Literatur bedeutenden Wert. Handschriften des Werkes des Karäers ‘Ali ben Suleimän befinden sich in der Sulzbacher Sammlung im Jewish Theological Seminary of Amerika in New York und in der 2. Sammlung Firkowitsch (Hebräisch-Arabische Mss) in Leningrad. Die erste Nachricht über die Existenz der Leningrader Handschrift gab bereits Ilarkavy ZAW 1881, 156. Beide Handschriften enthalten Fragmente des arabischen Kommentars zum ganzen Pentateuch. Die New7 Yorker und die Leningrader Stücke sind Teile einer und derselben Handschrift, von denen der eine zufällig nach New York gelangte, während der andere in Leningrad verblieb. Skoss hat in vorliegendem Werk nur den Kommentar zur Genesis publiziert. Die ersten 12 Seiten des handschriftlichen Werkes von ‘Ali ben Suleimän sind in hebräischen, alle übrigen in arabischen Schrift Zeichen geschrieben. In der großen Einleitung (S. 1—89) widmet Skoss Kapitel I einer Uebersicht über die karäische Literatur des X. und XI. Jahrhunderts; Kap. II und III befassen sich mit den zwei Autoren, von denen der Kommentar herrührt, nämlich Abu Jaküb ben Nüh und Abü el־Faraj Harün ben al-Faraj; Kap. IV bis VII behandeln unseren Autor ,Ali ben Suleimän. Mit großer Genauigkeit wird alles mitgeteilt, was bis jetzt in der Literatur von ihm bekannt ist. Die Methodik seiner Exegese wird eingehend untersucht, seine Bedeutung als Grammatiker gewürdigt und sein arabischer Stil analysiert; Kap. VIII umfaßt eine Beschreibung der Manuskripte. Den Anhang bilden ein sorgfältig zusammengestellter Index und ein Verzeichnis der angeführten Zitate aus Bibel und Talmud. Aus der Einleitung ersehen wir, daß alle drei Autoren in der rabbanitischen Literatur sehr bewandert waren und sie eifrig benutzt haben. Betr. ihrer Lebensdaten nimmt Skoss für Abü Jaküb ben Nüh X. Jahrhundert an, für Abü el-Faraj, dessen Tod nicht vor 1036, für *Ali ben Suleimän nennt Skoss Ende des XI. bis Anfang des XII. Jahrhunderts an, wie schon Poznanski nachweist, da er in Al Hitis Chronik schon Erwähnung findet. (Fürst hat cAli etwa 1100, Neubauer ins XII. Jahrhundert, Harkavy Ende XII. bis Anfang XIII. Jahrhundert, Bacher ins XI. Jahrhundert, Steinschneider ins zweite Drittel des XII. Jahrhunderts gesetzt.) In seinen Ausführungen wie in den zahlreichen Anmerkungen gibt Skoss die gesamte für das Gebiet in Betracht kommende Literatur bekannt. Die Herausgabe des Textes war eine schwierige und verdienstvolle Arbeit, da die Handschrift flüchtig geschrieben ist und viele diakritische Zeichen fehlen. Trotzdem finden sich verbesserungsbedürftige Lesarten nur in geringer Zahl, da Skoss alle diese Schwierigkeiten bewältigt hat. Hamburg. Isaak Markon. J. L. Landau: מכתבים על דבר היהדות והיהודים בזמן הזז־ן, ודויים, Teil 1, 315 S. Verlag Menorah, Wien. ,,Bekenntnisse“ nennt der bekannte Rabbiner und Professor für jüdische Literatur an der Universität Jahannesburg sein jüngst erschienenes Buch, das in der Hauptsache allerdings nach der Angabe des Verfassers im Vorwort vor dem Weltkrieg entstanden ist. Es enthält eine Sammlung von Materialien zur. jüdischen Zeitgeschichte, aus der die Verworrenheit der geistigen Gesamtläge des zeitgenössischen Judentums ersichtlich wird. Hat sich auch inzwischen offenkundig vieles zum Besseren gewendet, so können wir auch heute noch den pessimistischen Grundton, auf den das V^erlc gestimmt ist. als gültig; erachten.