Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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gehören in erster Linie diejenigen> die ihren Stoff der biblischen Zeit entnehmen: Reglers ,,Zug der Hirten“ und die Shnson-Romane von Altalena und Salten. Die Einwanderung der Israeliten nach Aegypten, die Fron und die endliche Befreiung bilden das Thema für R e g 1 e r s Buch, das nicht schlechthin als ,,Roman“ zu bezeichnen ist, wie ihm auch kaum romanhaftes Geschehen eingefügt wurde. Nicht ein einzelner ist hier der Held: nicht Enak, der erste, nicht Mose, der letzte Führer. Held ist vielmehr die Gesamtheit der Wandernden, Leidenden, Geknechteten und Befreiten, die im Gotte vom Sinai schließlich den Führer finden, den sie nie verlieren werden. Das Heldentum des einzelnen, der gegen die Gesamtheit steht, hat, wie schon erwähnt, eine doppelte Gestaltung gefunden. Simson ,,Richter und Narr“ und Simson ,,Das Schicksal eines Erwählten“: schon in der Titelgebung wirkt sich die Verschiedenheit der Auffassung und der durch sie bestimmten Formung aus. Denn Altalenas Simson, der unter den Philistern als einer ihresgleichen lebt, der den Tollen, den Narren bei ihnen spielt, um sie damit zum Narren zu halten, ist ein Mann der Tat und des heißen Blutes, zugleich aber auch der klugen Voraussicht und der inneren Ueberlegenheit. Ein diesseitiger, erdgebundener Mensch, so steht dieser Gewaltige inmitten seines unterdrückten Volkes, dem er die Wege zur Befreiung weist. Aus eigener Kraft muß diese Befreiung kommen. Damit ist der Unterschied gekennzeichnet, der zwischen der Auffassung Altalenas und Saltens herrscht. Denn Simson, wie Salten ihn sieht, ist der religiös bestimmte Mensch, der durch Erniedrigung und Leid immer reiner und innerlich reicher wird, in dem Mitleid mit der Kreatur emporwächst, der in der Kraft seines Gottes schließlich seine letzte Tat vollbringt. Auch Delila wird von den beiden Autoren gänzlich verschieden gesehen: hei Altalena verrät sie Simson aus verschmähter Liebe, aus verletztem Stolz, während Saltens Delila unschuldig schuldig wird und Qual und Tod büßend mit dem Geliebten trägt. Ueberhaupt schwingt in Saltens Darstellung ein weicherer Ton; doch nimmt die Intrigue, durch die Simson zugrunde gerichtet wird, einen allzu breiten Raum ein. Kühner, kraftvoller, rationalistischer, mit starker Betonung des Kulturhistorischen hat Altalena seinen Stoff gemeistert und ihn auch künstlerisch so bewältigt, daß die innere Anteilnahme des Lesers nie versagt. Den Vergleich mit diesen Darstellungen hält das Buch Mari aPoggel- Degenhardts in keiner Weise aus. Diesem pseudohistorischen Roman fehlt die psychologische Vertiefung wie die sprachliche Durchbildung. Das Motiv, daß der verstoßenen Vasthi noch immer das Herz des Königs gehört, daß Esther vergebens um seine Liebe ringt, vermag infolge der genannten Mängel kein Interesse zu erwecken, zumal die Gestalten des Romans nur konventionell gesehen und geformt sind. Auch Ilse Herlingers ,, Jüdische Märchen“sind als solche abzulehnen; tatsächlich sind es etwas flach moralisierende Erzählungen, aber keine Märchen. Von dem Geheimnisvollen, Wunderbaren und Naiven, das zum Wesen des Märchens gehört, ist hier nichts zu spüren; das Jüdische wirkt sich nur in der Namengebung aus. Die Skizzen Joseph Kaplans vermögen gleichfalls nicht zu befriedigen. Sie reichen weder in ihren gewollt humoristischen noch in ihren ernsteren Motiven noch besonders in ihrer Sprache über das bloß Oberflächliche hinaus. Als anspruchslose Erzählungen sind die Skizzensammlungen von Avellis und Kurtzig zu erwähnen. Von den beiden durch den Heine-Bund veröffentlichten Romanen ist