Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Erez Israel in der Responsenliteratur des späteren Mittelalters
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 1)
- Language
- German
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44 Erez Israel in der Responsenliteratur des späteren Mittelalters. Von H. J. Zimmels in Breslau. A. Allgemeine!• Teil. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Juden der Diaspora vor und auch nach der Zerstörung des Tempels ihren Zusammenhang mit dem heiligen Lande nicht auf gaben. Zu allen Zeiten wird Palästina, namentlich Jerusalem, von Juden aufgesucht, sei es, daß sie sich dort bloß vorübergehend aufhalten, sei es, daß sie sich dort dauernd niederlassen. Diese Anhänglichkeit der Juden an Palästina fand starken Widerhall in der jüdischen Literatur. Im Talmud und Midrasch, in den Responsen und in der Dichtung wird bald Palästina verherrlicht, bald ist von Reisen dorthin die Rede1. Im folgenden soll ein Ausschnitt aus den rabbinischen Responsen des späteren Mittelalters, in denen Palästina erwähnt wird, gegeben werden. Dabei zeigt sich ein interessanter Wandel: während im 12. Jahrhundert manche Rabbiner der Ansicht sind, daß es kein besonderes Verdienst ist, in Palästina zu wohnen und daß — im Gegensätze zum Talmud — der Mann, der nach Palästina auswandern will, seine Frau nicht zwingen kann, ihm dorthin zu folgen2, erscheint vom 13. Jahrhundert an Palästina im Gegensätze zu den Ländern der Diaspora in einem außergewöhnlichen Glanze3; man glaubt wieder, daß dort die Sünden vergeben werden4 und daß der Lohn in der zukünftigen Welt für denjenigen, welcher in Palästina wohnt, unermeßlich ist. Natürlich muß man dabei ein wahrhaft frommes Leben führen, sonst ist die Strafe auch größer. Es ergehen verschiedene Anfragen an die 1 Vgl. Estori Parchi, Kaphtor wu־Pherach ed. Edelmann, Berlin 1852, ed. Luncz, Jerusalem 1897—99, J. Schwarz, תביאות ז־אדץ, I. Lampronti, פחד יצחק v. ארץ ישראל (Lyck 1864, I, S. 123b ff.), ספר הלכות ארץ ישראל ed. Rabbinowitz (London 1900), M. aus Kosnic, קדושת הארץ, Jerusalem 1885, J. I. Ziesling, ילקוט ארץ ישראל, Wilna 1890; A. J. Brewer, ארץ ישראל לפי אגדות חדל in: ,,Jerusalem“ ed. Luncz 10. Bd. S. 117 ff.; Garmoly, Itineraires de la Terre Sainte; Krauss, Vier Jahrtausende jüdischen Palästinas; Aptowitzer, Les premiers possesseurs de Canaanin ״M^langes offerts a I. L6vi (REJ 1926, S. 275 ff.); Assaf, ארץ ישראל בתשובות גאוני בבל in ,,Zion4‘ I, Jerusalem 1926, S. 21 ff.; Krauss, אל חספר מתוך הספר das. S. 126 ff.; A. Freimann, Verbindungen der Juden in Deutschland mit denen in Babylon und Palästina während des Mittelalters bis zum ersten Kreuzzug in Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland I (1929), S. 165 ff.; M. Guttmann, ארץ ישראל בתלמוד ומדרש in der Festschrift zum 75 jährigen Bestehen des Seminars, Breslau 1929, I. Weitere Literatur bei Krauss, Vier Jahrtausende usw., S. 151 f. und Assaf in Zion a. a. O. — Betreffs der Verherrlichung Palästinas in der Dichtung genügt auf die Zioniden Jehuda ha-Levis hinzuweisen. 2 Tossafoth Kethuboth 110 b v.הואי und R. Ghaim das. Vgl. auch weiter I Nr. 1. Für letztere Entscheidung war der Umstand maßgebend, daß die Wege (gewiß infolge der Kreuzzüge) gefahrvoll waren. S. Toss. a. a. O. und Mordechai Kethuboth XIV § 313. Doch sehen wir, daß im 12. Jahrhundert Reisen nach Palästina vorkamen: Jehuda ha-Levi, Maimuni, Benjamin aus Tudela und Petachja aus Regensburg reisten bekanntlich nach Palästina. 3 Vgl. weiter B I. 4 Daß in Palästina die Sünden vergeben werden, findet sich schon im Talmud (Kethuboth lila). Aber es ist bezeichnend, daß man sich jetzt wieder mit diesen Fragen befaßt. י י