Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zu den Takkanot des Rabbenu Gerschom
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 2)
- Language
- German
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24 Andererseits fordert die Verneinung der Autorschaft des Rabbenu Gerschom für alle die bürgerlichen Takkanot (TRG), sowie die Zurück*־ Weisung von Rosenthals Annahme, der ich folgte, daß die verschiedenen Texte der Takkanot Schum die Resultate verschiedener Synoden darstellen, genauere Nachprüfung. Ich brauche wohl kaum zu be~ merken, daß ich zur Beantwortung dieser Kritik nur durch den Wunsch angeregt wurde, zur Klärung dieser Fragen beizutragen, die mir von Wichtigkeit zum Verständnis der jüdischen Geschichte Westeuropas während der Jahrhunderte zu sein scheinen, für die wir darüber nur sehr ungenügend unterrichtet sind. Dr. Baer behauptet: 1. Daß ich in der Auswahl der Haupttexte der TRG den Fehler machte, M (TRG, wie es in der Münchener Talmud-Hs. zu finden ist) und S (nach dem Texte der Takkanot Schum, in den Responsen des R. Meir b. Baruch, Prag 1608, Nr. 1022, und in den Responsen des R. Moses Minz 10) zugrunde zu legen. 2. Daß meine Analyse der TRG, wodurch ich die Gesetze über Suspension des Cherems von R. Gerschom gegen Polygamie als Interpolation nachzuweisen bestrebt war (weiterhin bezeichne ich diesen Abschnitt mit SH), nicht annehmbar sei. 3. Daß meine Ausscheidung der ersten fünf Paragraphen der TRG, als selbständige Gruppe, die wahrscheinlich auf R. Gerschom zurückgehe, nicht berechtigt sei. 4. Und schließlich, daß kein Teil der TRG von R. Gerschom sei, sondern daß das Ganze später als R. Tarn entstanden sei. Ich werde diese kritischen Bemerkungen der Reihe nach erwägen. 1. DieWahldergrundlegendenTexte. Dr. Baer, der zugibt, daß das Alter einer Quelle von nur geringer Bedeutung für die Wichtigkeit des Textes ist, wirft mir trotzdem vor, daß ich als einen der Haupttexte S. angenommen habe, der erst im Jahre 1608 erschienen ist (Resp. R. Meir b. Baruch, Prag 1608). Ein Blick auf das Diagramm, mit dem ich die Beziehungen der Texte zueinander darstelle (,, Jewish Seif-Government", S. 118), sollte dem Rezensenten sofort zeigen, warum S. ein Haupttext ist, obgleich er erst im siebzehnten Jahrhundert im Druck erschienen ist. Von den vierzehn Texten, die mir zur Zeit der Abfassung des Buches zugänglich waren, gehören dreizehn zu einer Gruppe, und S ist der einzige Vertreter der anderen* 1. Durch diese Tatsache bekommt S eine viel größere Bedeutung, als ihm sonst zukäme. 1 Seit Veröffentlichung meines Buches sind mir einige neue Texte zugänglich geworden, die ich der Liebenswürdigkeit meiner Freunde Prof. Hartwig Hirschfeld, Prof. D. S. Blondheim und Dr. S. Grayzel verdanke. Es sind: 1. TRG und die Takkanot, die ich R. Tarn zuschrieb, nach dem unveröffentlichten Teil des Orh 0 t H a j ji m II in einer Hs. des JewsJ College (Cat. Hirschfeld, 131). 2. TRG, nach einer Machsor-Hs. in der Bibliothek des Jews’ College (Cat. Hirschfeld 204, fol. 140vff.). 3. TRG und die Takkanot, die ich als ,,Secondary Recension“ der Takkanot von R. Tarn publizierte (MS. Paris 407). Keiner dieser Texte gehört zu der Gruppe S. Der des Orbot Hajjim ist, wie zu erwarten, mit dem Texte des Kol Bo identisch, liefert aber einige sehr interessante Berichtigungen; die zwei anderen gehören zu der Gruppe P־PB־PC-L־H־PF meines Buches. Einige Punkte der Pariser Hs. sind von besonderem Interesse und einen oder zwei derselben