Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Die Zunahme der jüdischen Einwohner in den Vorortgemeinden Groß-Berlins
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
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63 es sich meist um Wohngegenden, während in Alt-Berlin die Geschäfte und, Industrie überwiegen. Schließlich wollen wir noch einige interessante Hauptergebnisse, die aus den Auszählungen aus der Wahlliste resultieren, veröffentliehen unter Beschränkung auf die großen westlichen Vororte, wobei wir bemerken, daß die Berufsbezeichnungen in der Wahlliste auch für diese keine lückenlosen sind, aber immerhin einen Anhaltspunkt für die Berufsgruppierung unter den jüdischen Einwohnern über 21 Jahre abgeben können. 100 Einwohner in den westlichen Vororten verteilen sich auf untenstehende Berufsarten. 0 r t Land und Forst״ wirtschaft Industrie und Handwerk Handel und Verkehr Ver־ waltung Gesundheitswesen häusl. Dienste ohne Beruf ZUsammen Charlottenburg 0 0 9 2 54 8 12 4 7 1 0 1 18 84 100 100 Schöneberg 0 0 9 3 62 10 9 4 6 1 0 1 14 81 100 100 Wilmersdorf m* w. 0 0 8 1, 50 6 11 4 5 1 0 1 26 87 100 100 In den drei großen westlichen Vororten ist über die Hälfte der mehr als 21 Jahre alten Männer im Handel beschäftigt, zu gleichen Teilen als selbständige Kaufleute oder Angestellte. Ihren Beruf füllen sie vorzüglich in Alt Berlin aus, ihren Wohnort haben sie im Westen. Zu 8 bis 9 Prozent stehen sie in der Industrie teils als Unternehmer oder als gewerbliche Gehilfen. In freien Berufen und Verwaltungsstellen befinden sich 9 bis 12 Prozent, und als Aerzte, Zahnärzte und dgl. sind 5 bis 7 Prozent tätig. Der Prozentsatz der Berufslosen, darunter Kranke und Altersschwache, Rentiers und Pensionäre, beläuft sich auf rund ein Fünftel aller Gezählten. Die Ergebnisse zeigen eine Gleichmäßigkeit und dürften den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, eine Nachprüfung durch die geplante Berufsauszählung aus dem amtlichen Material bleibt Vorbehalten. Leider sind die Wahllisten bei den Frauen bezüglich ihres Berufes sehr mangelhaft ausgefüllt. Die Ergebnisse haben wir zwar angeführt, ohne daraus irgend welche Schlüsse ziehen zu wollen, nur das eine bemerken wir, daß die erwerbstätigen Frauen meist im Handel und in der Bekleidungsindustrie beschäftigt werden. Auf Grund des uns zugänglichen Materials haben wir gar keinen Anhalt über die Altersgruppierung der jüdischen Bevölkerungsteile; daß der Landesverband eine statistische Abteilung an seine Verwaltung arigliedern will, hören wir, aber hoffentlich decken sich dabei Wille und Ausführungsmöglichkeit, denn eine so große Verwaltung, wie die Groß-Berliner Gemeinde oder der Landesverband kann, ohne sachgemäße Statistik zu treiben, die Schäden nicht in vollem Maße aufdecken, an denen der jüdische Volkskörper in Deutschland krankt.