Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Das doppelte Hiph'il und Pi'el der Aggada
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 1)
- Language
- German
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47 Das doppelte Hiph‘il und Pi‘el der Aggada. Von Oberrabbiner Dr. U n g a r in Osijek (Jugoslavien). Ich will hier einige Beispiele einer eigentümlichen Deutung des Hiph'il im talmudischen Schrifttum anführen. Das Hiph'il (H.) hat bekanntlich in den meisten Fällen schon an und für sich eine faktitive Bedeutung, also die Bedeutung: verursachen, veranlassen, befehlen, daß eine Handlung, gewöhnlich die mit dem Kal ausgedrückte, ausgeführt weide. So bedeutet הושב jemanden zum Sitzen (ישב) bringen, השב jemanden oder etwas zum Zurückkehren (שוב) veranlassen, so עבד) העבד (אבד) האבר) und unzählige andere. Nun haben aber viele Zeitwörter im H. eine Bedeutung, die der Sprachforscher wohl mit der Bedeutung des Kal in Zusammenhang zu bringen versteht, bei denen aber dieser Zusammenhang für den ersten Augenblick nicht, wie bei den angeführten Beispielen, ins Auge fällt und dem sprachlich weniger Gewandten oft auch unzugänglich ist. Außerdem gibt es auch Zeitwörter, deren Grundform ungebräuchlich ist, so daß das H. als selbständiges Verbum erscheint. Wir wissen zwar, daß die Hiph'ilform הכה schlagen von — נכה הגד von הכר — נגד von נכד abstammt, doch denkt man beim Gebrauch dieser Hiph'ilformen nicht an ihre Abstammung von den entsprechenden Kalformen. Es ist gewiß kein Zufall, daß diese vollkommene Selbständigmachung des H. vom Kal gerade bei den ^S-Verben am häufigsten vorkommt, doch tritt sie, wenn auch in minder auffälliger Weise, auch bei anderen Verben auf. Das Charakteristische dabei.ist, daß andere Sprachen für die Bedeutung dieses H. ein ganz neues Verbum aus einem andern Stamme geschaffen haben. Wer denkt z. B. bei bringen הבא an kommen בוא oder bei darbringen הקרב an sich nähern קרב? Diese Eigenheit des hebräischen Zeitwortes, die den Grammatikern unter dem Namen *הפעיל (פיעל) היוצא לשליש bekannt ist, hat sich die Aggada wie auch die Halacha für ihre Auslegung dienstbar gemacht. Nehmen wir an, ein Verbum habe im H. eine Bedeutung erhalten, die ebenso gut durch die Kalforxn eines eigens für sie geschaffenen Verbums bezeichnet werden könnte, wie הכר erkennent הגד anzeigen, הכה schlagen. In den Bedeutungen dieser H.-Formen ist keine Spur ihrer Ableitung aus einem Kal fühlbar. Wenn nun gesagt werden soll, daß jemand eine jener Handlungen nicht selber ausgeführt, sondern bloß verursacht oder veranlaßt habe, so kann dies — in Ermangelung einer entsprechenden neuen Form — nur durch dieselbe H.-Form ausgedrückt werden. Groß sein heißt גדל, groß machen: הגדל — sitzen: ישב, sitzen machen, setzen הושב usw.; doch sowohl schlagen wie schlagen lassen kann nur durch das H.הכה, — sagen und sagen lassen durch das H. הגד, — erkennen wie erkennen machen durch das H. הכר ausgedrückt werden, weil wir keine verbale Form haben, die das Faktitivum der durch H. ausgedrückten Handlung bezeichnen würde. In diesen Fällen hat das H. eine zweifache Bedeutung: 1. die durch das H.-Verbum bezeichnete primäre (הכה schlage?1, הושב■setzen, הקרב darbringen, opfern) und 2. das Faktitivum dieser Handlungen