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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Article
Lessings Religion
Date
1929-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 und neue Probleme umfaßt dieser größere Horizont. Die Lösung Lessings kann nicht mehr unsere Lösung sein. Seine Begriffe sind zu eng und starr geworden. Der Begriff der Natur, der Geschichte, des Reiches der Werte, des religiösen Bewußtseins sind komplexer und spannungsreicher. Aber die geistige Haltung Lessings den Problemen gegenüber ist für immer die Haltung der europäischen Menschheit: aufrichtiges Suchen der Wahrheit und Mut zur Wahrheit. Durch diesen Mut zur Wahrheit hat Lessing in die Geisteskämpfe der Menschheit eingegriffen, hat er im Zeitalter der Emanzipation für die Menschenrechte der Juden, für den Frieden der Konfessionen gekämpft, hat er den geistigen Gehalt der europäischen Kultur geklärt und geformt. So arbeitete er an den religiösen und sittlichen Aufgaben seiner Zeit mit dem vollen Einsatz seiner Persönlichkeit. Lessings Religion war Kampf für Wahrheit, Freiheit und Güte. Ehrfurcht und Stolz, Herbheit und Anmut sind die Charakterzüge seiner Religion als Ausdruck seines Wesens. Aus der neuesten Mischnaliteratur. Von Cha310ch Albeck. Seit meiner in dieser Zeitschrift1 erfolgten Besprechung der Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Mischnaliteratur sind von der Gießner Mischnaausgabe drei weitere Hefte erschienen: ‘Erubin, ,Abot und Tamid. Von diesen verdient die Bearbeitung des Traktat Abot von Marti und Beer2 unser besonderes Interesse. Nicht als ob ich dieser Arbeit eine besondere wissenschaftliche Bedeutung beimessen möchte! Die Aufmerksamkeit, die diesem Traktat von jeher wegen seiner sittlichen Sentenzen von jüdischer und christlicher Seite zuteil wurde, macht es auch nicht leicht, hier wirklich Neues zu bieten. Wenn ich aber trotzdem sagte, daß dieses Werk unser besonderes Interesse verdient, so ist eben damit kein wissenschaftliches, sondern ein apologet i s c h e s gemeint. Um nicht mißverstanden zu werden, sei mir gestattet, meinen weiteren Ausführungen einiges vorauszuschicken. Der Verteidigungskampfכ der von jüdischer Seite gegen die Angriffe auf unsere Schriftgelehrten geführt ward, ist keine Apologetik der jüdischen Religion. Angenommen, daß es den christlichen Theologen jemals gelingen würde, nachzuweisen, daß sich in den Evangelien schönere Morallehren finden als in der rabbinischen Literatur, so würde dies in keiner Weise die jüdische Religion be~ rühren. Denn die Wurzel jeder Religion ist der Glaube an deren göttlichen Ursprung. Streitigkeiten, bei denen es sich lediglich um einzelne Lehrsätze handelt, die den sittlichen Grund Charakter einer Religion nicht ändern, haben für den Glauben an ihre Echtheit keine Bedeutung. Würden schöne Moralsätze das Kriterium für 1 MGWJ. 1925, S. 401 f. 2 Die M.ischna . . ’Abot, Text, Uebersetzung und Erklärung nebst einem textkritischen Anhang von D. Dr, Karl Marti, weil. Prof. d. Theol. a. d. Univ. Bern (und) D. Dr. Georg Beer, Prof. d. Theol. a. d. Univ. Heidelberg, 1927, Verlag Töpelmann, Gießen, XXXII u. 200 S., Preis IS Mk.

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