Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 1)
- Language
- German
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91 Besprechungen Werner Jansen: Die Kinder Israel. Mose-Roman. Georg Westermann, Braunschweig, Berlin, Hamburg 1927. S. Poljakoff: Sabbatai Zewi. Der Heine-Bund. Berlin 1926. Walter yon Molo: Die Legende vom Herrn. Albert Langen, München 1927. Alinda Jacoby: Davids Königswahl. Zwei biblische Bilder. Limburger Vereinsdruclterei, Limburg a. d. Lahn. Leopold Hicliler: Der Sohn des Moses Mautner. Ein Wiener Roman. R. Löwit Verlag, Wien u. Leipzig. Jean Richard Bloch: Simier & Co. Uebertragung von Paul Amann. Rotapfel־ Verlag, Zürich u. Leipzig. Edmond Flog: Ein kleiner Prophet. Uebersetzt von Mimi Zuckerkandl. R. Piper & Co., München 1927. Der Autor, der sich einem biblischen Stoff zuwendet, wird immer vor der Schwierigkeit stehen, die ein bereits geformter Stoff ihm bietet. Werner Jansen behebt diese Schwierigkeit in seinem Mose-Roman durch eine völlige Umbiegung und Umdeutung der biblischen Ueberlieferung. Er will seinen Roman nicht als einen Tendenzroman angesehen wissen und räumt ein, daß Historiker Fehler finden werden. Ihm aber handelte es sich ,,einzig um die Kraft des Blutes“, die sich ihm nirgends sinnfälliger offenbarte als in Mose. Damit ist die Richtung dieses Romanes bestimmt, in dem die Jugendentwicklung des Mose auf Grund der biblischen Ueberlieferung und doch in völlig anderem Lichte gesehen, dargestellt wird. Denn gerade alle die Elemente, die einer romanhaften Ausdeutung entgegenkommen konnten: die wunderbare Rettung, die am Königshofe verlebte Jugend, die Erlebnisse in Gosen und die Zeit in Midi an werden in den Mittelpunkt gerückt. Mose wird zum unehelichen Sohn einer ägyptischen Prinzessin und des Wesirs Amram, dem die Rolle eines Jud Süß zugewiesen ist. Als ,,ein Geschenk des Nils“ wird er von Menephtah adoptiert und wächst als Nationalägypter äuf. Die Zweifel, die er selbst über seine Herkunft hegt, werden durch den Aufenthalt in Gosen verstärkt und veranlassen schließlich die Flucht, die in der Absicht geschieht, fern von Eltern und Heimat Klarheit über das eigene Sein zu gewinnen. Durch Amram wird ihm endlich bestätigt, was er längst dunkel ahnte, und die Aufgabe, die er in Gosen zuerst widerwillig vor sich sah, wird nun das Ziel, dem er sein persönliches Glück zum Opfer bringt. Die Israeliten, in Gosen Geknechtete, im übrigen Aegypten die herrschende Kapitalistenschicht, dort verachtet, hier verhaßt, sollen durch ihn zu einem Volke werden, das ,,nicht mehr von fremden Ernten lebt, das seinen Boden, seine Gesetze, sich selber will‘6. Der Nationalägypter wird somit zum Nationaljuden, der Sohn des Pharao zum Führer der Israeliten, die Menephtah freiwillig ziehen läßt. Die religiöse Entwicklung des Mose wird von Jansen nicht außer acht gelassen, aber sie wird überschattet durch die zum volkhaft bewußten Menschen, dem die große Aufgabe zufällt, seine Stammesgenossen erst zu einem Volke zu erziehen. Bei der Cliarakterisierung der Israeliten, des Einzelmenschen wie der Gesamtheit, fehlen weder die Vorwürfe des antiken noch die des heutigen Antisemitismus, doch fehlt auch nicht die Verteidigung, die den Volks Charakter aus Schicksal und Umwelt zu erklären bemüht ist. Im ganzen wird man sagen müssen, daß Jansens Buch wohl manches Gelungene enthält, so vor allem Landschafts־ und auch kulturgeschichtliche Schilderungen; aber er hat uns einen Roman schlechthin, nicht eine Dichtung um Mose gegeben.