Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 18)
- Language
- German
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88 Schönheit. All dein Wirken und Denken ist Totenschatten und Unordnung. Und doch rühmst du dich, die Pfade Gottes zu wandeln... deine Vornehmen sind vom Pfade abgeirrt.... deine Reichen sammeln Reichtum nicht mit Recht.... die Erzieher deiner Jugend vollbringen das Werk Gottes mit Trug und.kennen nicht den Weg des Herrn. Die Herbergsväter rufen mit heuchlerischem Munde dem Wanderer zu: Komm in mein Haus, all dein Bedarf ist meine Obliegenheit, im Herzen aber lauern sie nach Blut. Auch in kleinen Aufsätzen zeigt sich Perl als der weise, witzige und gütige Mann. Wir besitzen von ihm zwei Briefe im dritten Kerem Chemed: den vierten und neunzehnten. Der erste kritisiert in halb launiger, halb ernster, eindringlicher Weise die beiden ersten Teile des Kerem Chemed. Anstatt Kerem Chemed sollte es richtiger Kerem Chemer heißen. Er tadelt an manchen Briefen das Verketzern und Beschimpfen der andersdenkenden Gegner. Zeitschriften, wie der Kerem Chemed, sollten reine Religions- und Moralbegriffe verbreiten. Zu diesem Zwecke sollten sie das Angenehme mit dem Belehrenden mischen, sowie die Süßigkeit der bitteren Medizin beigegeben werde. In Polen klaffe zwischen religiösen Menschen und Bildungsbeflissenen ein tief gähnender Abgrund. Der Kerem Chemed müsse diesen Abgrund überbrücken. Vor allem solle er die moralischen Gebrechen ausrotten, an denen die Zeitgenossen krankten : Hab- und Verschwendungssucht, Mißgunst, Menschenhaß, Heuchelei, Wucher, Denunziantentum. Im neunzehnten Brief weist Perl an der Hand zahlreicher Belege aus dem gesamten jüdischen Schrifttum nach, daß sämtliche Pflichten der Menschenliebe nicht nur auf eigene Volksgenossen, sondern auf alle Menschen Bezug haben. (Schluß folgt.) Bemerkungen Zu Herzogs Aufsatz ,,Ueber eine verderbte Stelle in Sephath Jether“ (Jahrg. 1927, S. 387 ff.) erhalten wir folgende Zuschriften: Herzog setzt (Seite 389) anstatt מקומו או חמתו — wie Fuld1 sehr richtig für מקומי או מכתי korrigiert — רעתי und streicht die Wörter מקומו או חמתו, ebenso streicht er auch die Wörter וכל המפרשים. Da aber I. E. in seinem Psalmenkommentar die Erklärung מכתי und מקומי, annimmt, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß er sie auch in seinem שפת יתר zitierte, und so dürfen wir nicht voraussetzen, daß diese — zur Sache jedenfalls passenden — Wörter irrtümlicherweise in seinem שפת יתר hineingekommen sind. Demgemäß möchte ich — die übrigen Vermutungen Herzogs annehmend — die 1 Diese, wie auch sämtliche Korrekturen, die Herzog dreimal aus Versehen —׳ im Namen Lippmanns zitiert und die bis am Ende des Kommentars כעול p reichen, stammen in Wirklichkeit von Fuld, was aus der Einleitung Lippmanns (להשיב לי תשובה נכונה) und auch aus seinen Schlußworten (ואבי המחבר) klar zu ersehen ist.