Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Beitrag zu der verschollenen Kuzariübersetzung des Jehuda ben Cardinal
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 1)
- Language
- German
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66 Mischnah haben die Amoräer beider Länder mit scharfer Kritik be׳־ handelt, die Heiligkeit der Thorah Moses’ jedoch galt den einen wie den anderen als eine viel zu göttliche, um auch nur ein Tüttelchen daran zu ändern. Darum können wir nicht umhin zu sagen, die Lesart des Jerusch almi |עירובי פרשיות יש כא ist wohl die richtige; doch die des BabH עירוב פרשיות כתוב כאן ist deshalb keine falsche, sondern bloß keine ei nd e u ti g e. Ein Beitrag zu der verschollenen Kazarifibersetzung des Jehuda ben Cardinal. Von Dr. I. Sonne in Florenz. I. Bei der Uebertragung der jüdischen religionsphilosophischen Werke aus dem Arabischen ins Hebräische wetteiferten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zwei Richtungen: die freiere, welche meistens in Paraphrase ausartete, und die streng wissenschaftliche, die wiederum in Buchstabendienst verfiel. So geschah es, daß von den 4 klassischen Werken der jüdischen Religionsphilosophie — Saadjas ,,Emunoth we־deoth“, Bahjas ,,Hobhot ha־Lebhabhoth“, Jehuda ha־Levis ,,Kuzari“ und Maimonides״ ,,Moreh“ — je zwei Uebersetzungen verfertigt worden sind, von denen die eine die erste, die andere die zweite Richtung repräsentiert. Die letztere, wörtliche Methode ist hauptsächlich das Werk der Tibboniden (Jehuda und dessen Sohn Samuel), welche ein halbes Jahrhundert — 1160—1210 — einen harten Kampf gegen die vorherrschend freiere lieber- Setzungsmethode durchzufechten hatten. Mit der tibbonischen Uebersetzung des ,,Moreh“ und seiner allgemeinen Anerkennung trug diese Richtung den vollen Sieg davon. Die rivalisierenden, freieren Uebersetzungen gerieten dann allmählich in Vergessenheit, und es brauchte des unermüdlichen Fleißes und der Hingabe der neueren Forscher, um sie teilweise weder ans Licht zu ziehen. Am schlimmsten erging es jedoch dem Rivalübersetzer des Kuzari. Zwar ist uns sein Name wie auch die Vorrede zu seiner Uebersetzung übermittelt worden, von der eigentlichen Uebersetzung jedoch ist bis auf zwei kurze Sätze und den Abschnitt, welcher den Jezirakommentar Jehuda ha־Levis enthält, nichts auf uns gekommen1. Es wird daher von nicht geringem Interesse sein, das Auffinden von einigen Frag־־ menten dieser Uebersetzung bekanntzugeben. Es handelt sich um 3 aus einem Einband losgelöste Stücke, die folgende der tibbonischen Uebersetzung entsprechende Stellen2 enthalten: S. 69, Z. 17—20; S. 71 ganz; S. 201, Z. 26—205, Z. 2 (sehr verstümmelt); S. 209, Z. 23 bis 211, Z. 6; daselbst Z. 15—26; S. 285, Z. 6—18; S. 301, Z. 1—10. II. Der paraphrasierende Charakter der Uebersetzung Cardinais. Daß Cardinais Uebersetzung an Wörtlichkeit mit der tibbonischen nicht zu vergleichen ist, konnte schon aus dem von Cassel heraus- 1 Vgl. Cassel Dav. Das Buch Kusari, Leipzig 4869, Einleitung, S. 15—16; Steinschneider, Hehr. Uebersetzung, § 353. 2 Nach ed. Hartwig Hirschfeld, Leipzig 1887.