Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Deuteronomiumfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 25)
- Language
- German
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48 sich, im Namen Gottes zu sprechen, was Gott ihm nicht befohlen hatte/ ־and richtet sich damit selbst; oder aber die Kritiker müssen glauben, daß eine allmächtige und gerechte Gottheit absichtlich den Betrug wählte, als das Mittel, sich dem Menschen zu offenbaren. Wellhausen soll einmal gesagt haben: ,,Natürlich wußte ich, daß das alte Testament ein Betrug sei, aber ich dachte nie daran, Gott zum Teilhaber des Betruges zu machen, wie es diese schottischen Kerle tuüf<. Ob diese Bemerkung echt ist oder nicht, sie faßt treffend zwei Stellungnahmen zusammen: die einen behaupten, das Buch sei durch göttliche Inspiration entstanden, und sprechen von ,,fortschreitender Offenbarung“. Das bedeutet mit einfachen Worten: vor ungefähr 25 Jahrhunderten kannte der Allmächtige noch nicht den Unterschied zwischen Ehrlichkeit und Betrug; auf irgendeine Weise hat er es seitdem fertig ebracht, ihn kennen zu lernen und teilte ihn sodann jenen Kritikern mit, so daß nicht nur er, sondern auch sie mit diesem Unterschied jetzt zur Genüge bekannt sind. Ein Kommentar zu dieser Ansicht ist überflüssig! Es bleibt noch die andere Hypothese: daß das Deut, das Werk eines nicht inspirierten Erfinders ist, der es sich anmaßte, im Namen Gottes zu sprechen. Diese Hypothese leidet an psychologischen Unmöglichkeiten, die ihr verhängnisvoll werden. Es ist wahr, Heuchelei ist keine unbekannte Eigenschaft, und es gibt so manchen Menschen, dessen Betragen in schreiendem Gegensatz zu seinen Bekenntnissen steht. Solch ein Verfahren entbehrt jedoch der Wahrscheinlichkeit in einem Falle, wo der Lügner anonym bleibt, denn der Heuchler wird gewöhnlich durch irgendein Motiv wirkliehen oder angenommenen Vorteils angetrieben. Die wahre Antwort aber gibt das Buch selbst. Wer könnte, wenn er offenen Sinnes seine Reden liest mit ihrem tiefen Ernst, ihrer sittlichen Glut, ihrem brennenden Streben nach ethischer und religiöser Vollkommenheit — wer könnte glauben, daß sie das Werk eines Menschen seien, der nur dahin zielte, das Volk zu betrügen, das er zu Gott führen zu wollen vorgab? Mag der Leser noch einmal Dt 261619־ sorgfältig prüfen, mag er die Hinzufügungen und Veränderungen vornehmen, die notwendig sind, um aus dem ganzen Vorgang einen Betrug zu konstruieren, und dann mag er bekennen, ob die Hypothese wahr oder auch nur möglich ist. Und muß man etwas glauben, nur auf die Autorität von Kritikern hin, die 25 Jahrhunderte nach den Ereignissen lebten, die keine Kenntnis jener Zeit, des Volkes oder der Ereignisse besaßen, keine Mittel zu dieser Kenntnis, keine Anhaltspunkte außer den spärlichen Daten in der Bibel? Oder ist es glaubwürdig, daß Dokumente, die in der angegebenen Weise geschaffen wurden, den gewaltigen Kraftstrom für Gerechtigkeit in der Welt bewirkt haben konnten, wie es das Deut, getan hat? Sollte es wirklich so sein, daß die großen monotheistischen, sittliehen Religionen mit allem, was sie für die Menschheit bedeuten, in nichts anderem verwurzelt sind als in Torheit und Betrug? Auf solche Fragen findet der aufrichtige Forscher nur eine Antwort. Und wenn er sie gefunden hat, erkennt er, daß die Frage um das Deut, sich ganz von selbst auf einfache und befriedigende Art löst.