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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 1 · p. Seite 23

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 1
Article
Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 23 (sequence 18)
Language
German
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23 daß 1656, dem schwärzesten Jahre der Geschichte dieses Landesteiles, in Schrimm kurz nach Ostern 124 und auch in Wronke jüdische Märtyrer fielen* 1, daß die ,,königlichen Zöllner“ und Brüder Josef, Hirsch und Salomo, die Söhne Mendel Plotzkers aus Posen, Förderer des zweiten Druckes der Toßafot Jomtob zur Mischnah, 1651 von Johann Kasimir ernannt wurden, und daß letzterer durch Aufruf vom 30. Juni 1657 Sicherheit der Person und des Vermögens der Juden gewährte2. ,,Johanna Schopenhauer: Jugendleben und Vv a n d e r b i 1 d e r.“ Die Mutter des Philosophen lebte 1766 bis 1806 in Danzig. In ihren Lebenserinnerungen spricht sie auch über dortige Ostjuden (IV 304): ״Die schmutzigen polnischen Schacherjuden schiebe ich gern beiseite, die weder vom Leibzoll, den sie zahlen, noch durch die Bedrückung und Verhöhnung aller Art, die sie von christlichen Gemütern erdulden mußten, sich abhalten ließen, zahlreich sich einzustellen und an allen Ecken unter widrigem Geschnatter und Geschrei ihrem elenden Gewerbe nachzugehen. Aber es gab auch noch andere alttestamentarische Gestalten außer diesen, deren würdiger Anblick dazu mit beitrug, dem öffentlichen Leben in den Straßen eine interessante Mannigfaltigkeit der verschiedenartigsten Erscheinungen zu gewähren. Reiche israelitische Kaufleute aus Warschau, Krakau, Posen und anderen bedeutenden polnischen Städten in ihrer stattlichen Nationaltracht, die Geschäfte halber in Danzig sich einfanden, hochgewachsene Männer mit schwarzen, blitzenden Augen und echt orientalischen Zügen, himmelweit verschieden von jenem zerlumpten Gesindel, der wohlgepflegte, tief über die Brust sich ausbreitende, oft schneeweiße Bart, die hohe dunkle Zobelmütze, der malerische Falten bildende schwarze Talar verlieh ihnen eine auffallende Aehnlichkeit mit den gelungendsten Propheten- und Apostelgestalten bildender Kunst. Auch ihre Frauen begleiteten sie zuweilen; die Tracht derselben nahm sich freilich etwas barocker aus und machte einen sehr fremdartigen Eindruck; Röcke von schwerem, großblumigem Seidenbrokat, ein bis an die Knie reichender, unten mit Zobel besetzter Leibrock von ähnlichem Stoff und eine goldene Haube. Ueber der Stirn trugen sie ein ziemlich breites Bandeau aus mehreren Reihen echter, großer, aber meistens schiefer, sogenannter monströser Perlen, das auch nicht ein Härchen sichtbar werden ließ. Eine Menge schwerer, altmodischer goldener Ketten und Schmuck aus allen Arten von Edelsteinen vollendeten den Schmuck einer solchen Tochter Zions, der aber den brünetten, schwarzäugigen Gesichtern gar nicht übel stand, solange sie jung waren.“ .__ (Fortsetzung folgt.) 1 Lewin, Die Judenverfolgungen im zweiten schwedisch-polnischen Kriege, Posen 1901. 2 Vgl. Brann, Gesell, der Juden in Schlesien Teil VII, nur in Korrektur vorhanden.

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