Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829943-2829945-2848904--47316-2848953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 Die zahlreichen Beiträge G r u n w a 1 d s zu seinen Jahrbüchern gehören nicht in den Bereich des gegenwärtigen Berichtes; seine reiche Gedichtsammlung bietet nichts Episches. Hier müssen wir uns auf das Sagengeschichtliche beschränken, höchstens können wir noch Folkloristisches hereinbeziehen. Auf Grunwalds Einleitung folgt Löwingers Arbeit über ,,Die Auferstehung in der jüdischen Tradition/‘ der wir einen besonderen Abschnitt gewidmet haben, dann von Jakob Nacht .,Der Fuß/‘ eine folkloristische Studie.“ (I 123—177). Mit diesem Aufsatz berühren sich auch die früheren Untersuchungen Nachts: Euphemismes sur la femme REJ 1910, 36-—58 The svmbolisme of the shoe1 JpR, N. S., VI, 1—22. י י ' " ' Nacht verwertet das jüdische Schrifttum, teilweise auch das Arabische2, Griechische, Lateinische, besonders gerne das Moderne, Französische und Deutsche, gar oft auch Walachisches. Fuß bedeutet Fruchtbarkeit, Nachkommenschaft, Herrschaft. So mancher Aberglaube knüpft sich an den Fuß. Wer von den Brautleuten zuerst auf den Fuß des Ehegenossen tritt, der sichert sich die Führung in der Ehe. Ueber die Schwelle stolpern bedeutet Unheil (Hermann und Dorothea, Krimhilde). Viel Bemerkenswertes wird über Schönheit der Füße, kleine Füße, Barfußgehen, Fußkuß, Fußwaschen (als kirchlicher Brauch) gesagt. Abraham und Moses rühmt die Sage große Schritte nach. Einzelnes; S. 151 wird der.Satz: ,,Nicht dem Leichtfüßigen gebührt der Siegeslauf“■ (Qohelet 9״) dem Psalmisten zugeschrieben. Nachts Annahme, daß die deutsche Redensart ,,Die Sache hat Hand und Fuß“, dem talmudischen רגלים לדבר entlehnt sei (160, Anm. 7), scheint mir unmöglich. .Statt Sarnir und Samula (S. 163) ist Sämiri zu lese!3. A. Marmorstei n gibt in -beiden J alirbüchern reiche ,,Beiträge zur Religionsgeschichte und Volkskunde“ (Bd, I, 280—319, Bd. IX, 344-—383). Er erzählt, er habe während des Krieges die Bände der Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, des englischen ,,Folklore,“ der ,aRevue des traditions populaires“ systematisch verarbeitet: Verwandtes und Gegensätzliches habe ihn gleicherweise angeregt, die Aggada durch Vergleichung zu beleuchten. Ferner zieht Marmorstein mehrfach Zauber- und Beschwörungstexte heran, die er aus der Adler’sehen und Sassoonschen Sammlung herausgibt. Seine Beiträge umfassen 10 Aufsätze, die wir einzeln besprechen wollen. 1. Kieselsteine in der talmudischen Magie. Als schlagendes Beispiel dient die Aggada vom Josephs-Sarge, der in einer Fassung der Legende mittels eines צרור behoben wird4. Die andere Legende erzählt davon, wie David den Grund für den Tempel bauen ließ und wie die aufbrausende Tiefe durch den von Achitophel empfohlenen צרור gebändigt wird. L Siehe den gleichzeitigen Aufsatz von Ludwig Levy, Die Schuhsymbolik im jüdischen Ritus MGWJ 1918 LXII, 178—185. 3 Das Arabische ist schrecklich gedruckt, ein Wort oft entzwei gerissen, mehrere Worte verschmolzen. 3 Ueber Sämiri siehe MGWJ 1925 LXIX, 52. 4 Hier werden auch die Sagen über Ser ach, Tochter Aschers zusammengestellt, doch diese Arbeit hatte schon früher und vollständiger Jacob Horovitz geleistet: Die Josephserzählung, Frankfurt a. M. 1921, S. 129—182.