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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 8

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Ein von Resch Lakisch angedeuteter Kopistenfehler in der Mischna
Date
1927-01-01
Page
Seite 8 (sequence 1)
Language
German
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3 Ein van Resch Lakisch angedeuteter Kopistenfehler in der Mischna. (Zum 8. Adar I)] Von Adolf S c.h w a r z in Wien. Im gesellschaftlichen Leben sehen wir des öfteren, daß auf der einen Seite Personen durch eine innere Verwandtschaft, durch gleiche Neigungen, durch gleiches Denken und Empfinden sich zu einander hingezogen fühlen, und auf der andern Seite wieder, daß Fernstehende gerade durch einen zwischen ihnen bestehenden Gegensatz vom einander angezogen werden'. Aehnliche Vorgänge können wir übrigens an uns selber beobachten, wem! wir dem unser Denken beherrschenden Assoziationsgesetz die nötige Aufmerksamkeit zuwenden. In unsrem Geiste verbinden sich einerseits Begriffe, die wie Aeste eines Baumes zusammengehören, und andererseits wieder Gedanken, die sich antithetisch zueinander verhalten. Welcher Art die eine oder andere unsrer Gedankenverbindungen ist, das freilich läßt sich nicht auf den ersten Blick feststellen. Wir haben, nicht immer die Gewißheit, daß unsre eigene Gedanken־■ Gruppierung auf dieser oder jener Basis sich, vollzieht. Es bedarf gar oft einer genauen Selbstprüfung, um unsre eigenen Gedankengänge ihrem Ur~ Sprunge nach zu erkennen. Wie könnten wir uns nun darüber wundern,, daß wir den Gedanken Anderer nicht immer auf den Grund zu sehen vermögen! Um die Wurzel logischer Gedanken-Verbindungen bloßzulegen, muß man stets tiefer schürfen. Diese Forderung stellt die wissenschaftliche Forschung wohl auf allen Gebieten, auf keinem jedoch mit größerem Nachdruck als auf jenem, welches als Domäne der Assoziation betrachtet werden muß. Wenn irgendwo, so spielt die Assoziation auf dem Gebiete der jüdischen Tradition eine besonders hervorragende Rolle, aus dem ganz einfachen Grunde, weil unsre Mentalität eine eigenartige ist: wei 1 wir induktiv denken und enthymematisch schließen. Das induktive Denken sucht in erster Reihe die Berührungs- und in zweiter Reihe die Differenzpunkte der Dinge; das enthymematische Schließen wieder überspringt die verbindenden, in der Mitte liegenden Gedanken. Und da unser induktives Denken ein geradliniges ist, kann auch unser sprunghaft scheinendes Schließen kein schiefes sein. Es gilt bloß die übersprungenen Mittelglieder aufzudecken und dadurch zu zeigen, daß die Begriffs Verbindungen entweder auf einer inneren Wahlverwandtschaft oder auf einem äußeren Gegensatz beruhen. Letzten Endes sind gar manche dissentierende Ansichten der Amoräer über einfache Thesen der Mischna darauf zurückzuführen, daß die Einen dort einen Gegensatz erblicken, wo die Anderen eine in die Augen springende Gleichheit •sehen. Das wäll ich hier an einer Mischna veranschaulichen. Mikwaoth 96 lesen wir על הבגדים מצד אחד אינו חוצץ1, משני צדדים חוצץ, ר׳ יהודה אומר משום ר, ישמעאל, אף מצד אחד חוצץ, ר׳ יוסי אומר, 1 Um das Wesen der חציצה in seiner eigentlichen Bedeutung zu erfassen., muß man sich den Unterschied zwischen dem Tauch- und dem Reinigungsbad zum klaren Bewußtsein bringen. Bei der טבילה muß der ganze nackte Körper

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