Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Spinoza-Literatur [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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7 Religion des Geistes, den Glauben an eine neue Einheit' von Geist und Körper, von Natur und Sittlichkeit. Nur bemerkt G. nicht die Spannung, die aus Sp.s Religion der Immanenz sich notwendig zwischen der überdas Menschliche, auch über Gut und Böse erhabenen Gottnatur und den sittlichen Werten «ergibt. Leon Roth, M. A., D. Phil.: Spinoza, Descartes and Maimonides. Oxford 1924. 148 S. In der Nebeneinanderstellung Spinozas, Descartes’ und Maimonides’ will R. nicht einen inneren Zusammenhang, sondern vielmehr einen bedeut- -samen Gegensatz zwischen den Denkern feststellen. Ueber alle Wissenschaftlicken Anregungen, die Sp. von Descartes empfangen hat, hinaus glaubt R. einen fundamentalen Gegensatz zwischen dem Rationalismus und Determinismus Sp.s und dem Voluntarismus und Atomismus in Logik, Physik und Metaphysik Descartes’ feststellen zu müssen. Andererseits verhalte sich Maimonides zum Kalam, wie Sp. zu Descartes. So ergebe sich eine tiefgehende Uebereinstimmung Sp.s mit Maimonides, der alsdann durch Sp. der Vater des neuzeitlichen Rationalismus bis auf Hegel werde. Diese geistreiche These, die an die Joelschen Untersuchungen anknüpft, übersieht die qualitative Verschiedenheit des Aristotelischen teleologischen Rationalismus des Maimonides und des Naturalismus Sp.s. R. führt sein Thema scharfsinnig durch. Benzion IiellcTmann, Die Ethik Spinozas. Ueber Gott und Geist. Verlag;Schwetschke und Sohn. Berlin 1922. 436 S. Die Aufgabe, die sich K. in seinem Werke gestellt hat, ist eine systemalisch-kritische. ,,Für unsere Untersuchung handelt es sich ausschließlich um die Beantwortung der Fragte: Welchen objektiv sachlichen Geltungswert enthalten die einzelnen Fundamentalbegriffe in Spinozas Metaphysik, in seiner Psychologie und in seiner Freiheitslehre, in wieweit nähern sich die Begriffe dem kritischen und kritizistischen Denken, inwieweit entfernen sie .sieb von ihm?“ (Vorrede S. VII). Das Interesse, das zu dieser Untersuchung bestimmt, ist, festzustellen, ׳ob eine kritische Interpretation der Spinozistischen Philosophie, wie sie von ■Kiihnemann und Cassirer versucht worden ist, berechtigt sei. Denn die Kon-;sequenz einer solchen kritischen Interpretation Spinozas wäre dann entweder, daß der Pantheismus auch in der Richtung idealistisch-kritischer Welt- .anschauung liege, oder der Nachweis, daß der Pantheismus Spinozas in Wirklichkeit nicht vorhanden sei. In streng an den Text sich anschließender, ein- ,gehender Diskussion, durch die die Schrift zum Kommentar der Ethik wird, wird erwiesen, claß Spinoza von dem Kritizismus Kants weit entfernt sei. Da aber nach der Voraussetzung K.s im Kritizismus allein die Wahrheit der :systematischen Philosophie liegt, wimmelt es nach ihm in der Ethik von Fehlern, die nachdrücklich hervorgehoben werden. Insoweit es sich um den Nachweis immanenter'Widersprüche im spinozistischen System handelt, ist ihre Betonung notwendig. Hingegen ist das zu Gericht sitzen über den Philo- :sophen Spinoza vom Richterstuhl Cohenscher Philosophie aus peinlich, zumal fast auf jeder Seite dann notwendig ein Verdikt gefällt wird. ברוך שפיכווה " חייו. ספריו. שטחו מאת יעקב קלצקין הוצאת אברהם יוסף שטייבל. ליפסיד. תרפ׳ג*. Nach einer knappen Darstellung des Lehens Spinozas und Charakteristik seiner Schriften untersucht Klatzkin das Verhältnis Spinozas zur jüdischen Religionsphilosophie nnd kommt im Gegensatz zu Joel zu dem Schluß, daß der Einfluß der jüdischen Religionsphilosophie wohl in Einzelheiten nachweisbar sei, der gedankliche Zusammenhang aber Spinoza von der mittelalterliehen Religionsphilosophie scheidet (S. 75 ff.). Die Frage nach der Wahrheit des spinozistischen Systems ist auch für K. durch Kant im negativen Sinne entschieden (S. 108 ff). Der Pantheismus Sp.s trennt ihn auch nach K. vom Judentum (S. 106).