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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 6

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Neuere Spinoza-Literatur [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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Der Gedanke des Menschen ist die Brücke zu Gott, er ist das Prinzip der Freiheit, er wird zum Prinzip der Ewigkeit, er macht den Menschen unsterblich (S. 139). Der letzte Sinn der Lehre Sp.s ist der Primat der Vernunft über die Welt. Auch die Antinomien, in die diese Lehre notwendig führt, werden scharfsinnig aufgewiesen. C. R, Starcke, Prof, an der Universität Kopenhagen. Baruch de Spinoza. Ins Deutsche übertragen von Dr. phil. Karl Hellwig. Gyldendalske Boghandel. Kopenhagen 1923. 392 S. Im Gegensatz zu der knappen, straffen Darstellung des Alexanders eben Buches gibt Starcke eine flüssige, dabei der begrifflichen Schärfe nicht ent- Lehrende Darstellung der Lebens ans chauung Sp.s, in welcher sein ganzes philosophisches Lebenswerk verarbeitet ist, ohne die einzelnen Schriften gesondert zu behandeln. Für Starcke ist ,,Spinoza der jüdische Prophet in moderner Gestalt mit dem ganzen starken und feinen Gerechtigkeitsgefühl, das sich in hervorragendem Maße hei den besten Repräsentanten des jüdischen Volkes findet“ (Vorrede S. 6). Sp. ist ein religiöser Denker und seine Philosophie hat man mit Recht .une theorie du salut genannt. Der einzige Einfluß, der neben seinem jüdischen Glauben mächtig und entscheidend für ihn gewesen ist, kommt von Descartes, der sich an die andere Seite in Sp.s Natur: seine mathematische Phantasie wendet; aber auch dieser Einfluß wird seinem jüdischen Verhältnis zu Jhw dienstbar gemacht (S. 14). Die Grundvorstellung, von der die Juden in ihrer Gottesvorstellung ausgehen, ist Jhws im All wirkende Macht. Der Gedanke, der Intellekt erhält die Aufgabe, diese Vorstellung in Einzelheiten auszugestalten. Sp. ist der absolute Rationalist, weil er im Gedanken, Ratio, die Macht sieht (S. 16). Die Mathematik und Naturwissenschaft haben ihm eine neue Sprache gegeben, die vollkommener ist als die, über die die alten jüdischen Propheten geboten haben, aber der Inhalt, den auch sie zum Ausdruck bringen wollten, ist derselbe (S. 19). Von dieser Grandanschauung aus wird nicht aUein Sp.s Naturphilosophie und Psychologie in ihrem voluntaristischen Charakter betont, sondern auch die Ethik in ihrem sittlichen Gehalt als Offenbarung Gottes in der Menschen- Vernunft, als Bund Gottes mit den Menschen aufgefaßt. ,,Jhw ist das große Weltenich, das allein ist und alles beherrscht, das Ich als die Kraft, die ihre wechselnden Zustände Zusammenhalt, über ihre Motive Kontrolle ausübt und dafür sorgt, daß die Lust sich in einem einzelnen Teile nicht so ausbreiten darf, daß sie dem Ganzen schadet, das ist das Bild, unter dem sich das Dasein Sp. zeigt und ihm verständlich wird (S. 126). Vermögen wir dieser Interpretation der spinozistischen Ethik auch nicht durchweg, zumal in ihren ethischen Partien zu folgen, so verdient das Starckesehe Buch doch unser Interesse. Carl Gebhardfc, Spinoza. Von den festen und ewigen Dingen. Verlag Carl Winter, Heidelberg 1925. 589 S. In dem geschmackvoll ausgestatteten Buch gibt der bekannte Spinoza- Forscher eine ausgezeichnete Auswahl aus Sp.s Schriften und Briefen in freier, die geometrische Darstellung verlassender Weise. Dieses Buch ist sehr geeignet, in die Gedankenwelt Sp.s einzufüliren. In der Einleitung sucht G. Spinoza als Repräsentan ten der Barockkultur zu verstehen. Barock ist das Lebensgefühl, das im Unendlichen die Substanz der Wirklichkeit erfaßt. Sp. prägt die Formel des Barock: omnis determinatio est negatio. Ist die Gegenreformation innerhalb des Barock die Religion der Transzendenz, so ist Sp.s Philosophie die Religion der Immanenz. Wie für jede Religion, so ist auch für den Spinozismus die Gottheit das unmittelbar Gewisse. Als Religion der Immanenz umfaßt der Spinozismus in sich Mythos, Logos, Ethos und Eros. Im Mythos ergreift die Religion des Spinozismus das Verhältnis der endlichen Dinge zur Unendlichkeit, im Logos deutet sie die Vielfältigkeit des Weltgeschehens als sinnvollen Zusammenhang, im Ethos ordnet sie das Miteinandersein der Menschen zu ■ bindendem Gesetz, im Eros lebt sie die schöpferische Einheit alles Seins (S. XIII). So bringt auch G. gegenüber der Windelfoandschen Deutung des Spinozismus als mathematischen Pantheismus den religiösen Dynamismus zur Geltung. Der Spinozismus setzt gegen die Religion der Transzendenz die

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