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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Der Spinozismus in der Philosophie der Gegenwart
Date
1927-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Reiche Gottes zu weihen hat. So erneuert sich uns die Erkenntnis, und der Weg des Judentums. Das naturwissenschaftliche, ״ sittliche und religiöse Motiv in der Philosophie Spinozas zur Einheit eines wissenschaftlichen Weltbildes zu erheben, bleibt die ewige Aufgabe der Philosophie. Spinoza hat den Denkern der Neuzeit diese Aufgabe in ihrer Schwere und. Notwendigkeit gewiesen, darum wird seiner im Ringen um die Lösung dieser Aufgabe immer gedacht werden. Der gehört zu den Wohltätern der Menschheit, der ihnen den Weg zu tieferer Erkenntnis ihres Menschentums weist. Zu ihnen gehört Spinoza. Neuere Spinoza-Literatur. Das lebendige Interesse, das Spinoza heut wie je hervorruft. bekundet sich in einigen wertvollen neuen Darstellungen seines Systems, auf die wir hinw&isen möchten. Auch sie stellen, wie wir es in dem Aufsatz ,,Die Ethik Spinozas in ihrem Verhältnis zum Judentum“ (MGrWJ 1926, 355 ff-) versucht haben, Sp. in die Geistesgeschichte des Judentums: Bernhard Alexander, 0. ö. Prof, an der Universität Budapest: Spinoza. Geschichte der Philosophie in Einzeldarstellungen Abt. IV. Die Philosophie der neueren Zeit I. Bd. 18. Verlag Ernst Reinhardt. München 1923. 166 S. In sorgsamer, die umfangreiche Spinoza-Literatur beherrschender Dar- Stellung werden nach einer biograpIrischen Skizze die Werke Sp.s knapp, doch eindringlich analysiert. Dem kurzen Traktat und der Ethik fällt naturgemäß der größte Teil der Ausführungen zu. Im Kurzen Traktat wird das Urproblem des Spinozistischen Geistes in der Verknüpfung des,, pantheistischen Gedankens mit der Frage nach dem höchsten Gut gesehen, so daß Gott das höchste Sein, die Wahrheit und die Liehe ist (S. 2ל). ,,Der Einheitsgedanke ist die übermächtig treibende Kraft seines Denkens. Höre, Israel, Gott unser Herr ist der einzige Gott! ist das höchste Gebet des Judentums.“ Es ist auch das Sp.s (S. 4ל). Sp.s Gottesbegriff ist der Inbegriff aller metaphysischen Werte. Von ethischen und ästhetischen ist keine Rede. Der höchste metaphysische Wert ist das Ursein. Gott ist der Raum, die Ausdehnung. Dies ist das Neue. Daß er das Denken ist, ist uralt. Durch die •Vermittlung der Raumvorstellung bekommt nun auch die Natur höchste metaphysische Würde, also Göttlichkeit. Sie ist Unendlichkeit, Ewigkeit, höchste Gesetzlichkeit und strengste Einheit. Wie sollte sie nicht Gott genannt werden? Wir sind dieses Gottes Diener, Knechte, Werkzeuge. Dies ist unser Stolz und unsere Seligkeit. Und da denkt man dann, Sp. habe nur den Namen Gott festgehalten, um seine Freunde und Leser zu betrügen! (S. 49). In der erkenntnistheoretischen Abhandlung: Ueber die Verbesserung des Verstandes wird das Programm der Ethik erkannt. Die Methode, nach der hier verfahren werden soll, ist sich ihrer selbst bewußt geworden. Das System hat die Pflicht sich selbst zu beweisen (S. 56). In der Analyse der Ethik wird erneut darauf hingewiesen, daß nicht der Begriff der Substanz Spinoza zu Gott führt, sondern umgekehrt, der Begriff Gottes oder der Natur, d. h. des Alleinen ihn zum Begriff der Substanz führt, als demjenigen, der jene Intuition begrifflich bezeichnet. Im Gegensatz zu Windelband wird betont, daß Sp.s Gottesbegriff nicht die Hypostasierung einer Denkform, sondern die Logisierung einer lebendigen Intuition ist (S. 75). Die unendlichen Modi sind die im ganzen Mittelalter und auch in der Renaissance weiterlebenden pantheistisch-neuplatonischen Ideen, die die Vermittlung zwischen dem Unendlichen und dem Endlichen leisten sollen. Denken und Ausdehnung sind zwei koordinierte Attribute in unserer Auffassung. Aber in Gott hat das Denken das Uebergewicht, denn er denkt nicht nur die Ausdehnung, sondern alle seine unendlichen Attribute und alle unendlichen Modi seiner unendlichen Attribute (S. 103), Bei Sp. sind die Ideen Begriffe, welche die Seele als denkendes Ding bildet, sie sind nicht stumme Bilder, sondern Denkakte, aber grade als solche sind sie in Gott, sind Denkakte Gottes (S. 115).

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