Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 2)
- Language
- German
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61 ständlich unter Aufgabe ihres Glaubens). Andere Behauptungen des Verfassers bestehen eher zu Recht. So, wenn er vor übertriebenen Vorstellungen über die Zahl der Opfer warnt, die bei den Judenverfolgungen zugrunde gingen. In der Tat schwanken die Zahlenangaben oft ganz bedeutend. Bei der Vernichtung der größten deutschen Judengemeinde in Mainz im Jahre 1096 gibt ein Chronist die Zahl der Opfer auf 1300 an, während im Nürnberger Memorbuch (ed. Salfeld, S. 118) nur etwa 550 verzeichnet sind. Wenig mehr;(570) gingen 1349 in Nürnberg zugrunde. Die Ursache der Verfolgungen und Metzeleien erblickt Verfasser ausschließlich in der wirtschaftlichen Ausbeutung der Bevölkerung־, hoch wie niedrig, durch die Juden; vereinzelt auch sieht *er in der Gewinnsucht von weltlichen Großen oder Kirchenfürsten den Antrieb. Das religiöse Motiv will er ganz ausgeschaltet wissen. Sicher nicht mit Recht; möglicherweise mag es oft (Hostienschändung, Ritualmord) als Erregungsmittel in den Mob geschleudert worden sein, um dessen zu allen Zeiten gleich schlechte Instinkte zu wecken. Eine besondere Vorliebe für die Juden kann man dem Verfasser kaum nachsagen. Mit Sorgfalt werden z. B. Strafverfahren gegen die natürlich auch bei den Juden stets vorhandenen schlechten Elemente dargestellt. Als Materialsammlung ist das Buch schätzbar; objektive Beurteilung ist aber bei ihm nicht immer durchweg erreicht. _ S. Feist. Israel €ohen: The Journal of a Jevvish Traveller. With 31 Illustrations from Photograplis and a Map. London, John Lane. The Bodlev Head Ld. 1925, 288 Seiten. Das Buch gibt die Eindrücke und Erfahrungen wieder, die der Verfasser auf einer Werbereise im Aufträge der Zionistischen Organisation vom Frühjahr 1920 bis zum Frühjahr 1921 zu den jüdischen Gemeinden Australiens, Indiens und des fernen Ostens sammelte. Wir hören von Jerusalem, den jüdischen Kolonien in Palästina, den Gemeinden jn australischen Städten, auf Neu-Seeland, den Philippinen, in Hongkong, in Shanghai, in der Mandschurei, in China, in Indien, auf Java usw. Die Darbietungen des Verfassers gehen nicht sehr tief, aber sie geben einen Einblick in die weitreichenden Be- Ziehungen jüdischer Unternehmer und ihre geschäftlichen Erfolge, auch in innere Verhältnisse der besuchten jüdischen Gemeinden. Selten schweift der Blick des Verfassers über die augenblicklichen Verhältnisse hinaus, z. B. wenn ׳er den jetzt aussterbenden chinesischen Juden einige Worte widmet oder ausführlicher die Zustände bei der Mischsekte der Beni Israel in Bombay dar- «teilt. In kommenden Zeiten mag das Buch einen Quellenwert haben, wie etwa Benjamins von Tudela oder Benjamins II von Jassy Reiseberichte. Für uns bedeutet es zunächst nur eine nicht uninteressante und dabei unterhaltende Lektüre. S. Feist. Max Freudenthal: Die israelitische Kultusgemeinde in Nürnberg 1874—1924. Nürnberg (I. Bulka, Verlag) 1925. IV u. 172 S. Anläßlich des 50 jährigen Bestehens der Gemeindesynagoge in Nürnberg hat der Nürnberger Rabbiner Dr. Freudenthal die Geschichte seiner Gemeinde dargestellt. Es ist, wie er mit Recht in der Vorrede bemerkt, die erste Dar- Stellung der Geschichte einer modernen Gemeinde. Nürnberg ist neben Köln die jüngste deutsche Großgemeinde. Die rapide Entwickelung geht aus den S. 59 gegebenen Zahlen hervor. Der Schwierigkeit einer objektiven Darstellung für den mitten in den Dingen Stehenden ist sich der Verfasser wohl bewußt, aber er ist dieser Aufgabe vollauf gerecht geworden. In seiner Darstellung läßt er seine Person nach Möglichkeit zurücktreten, wenngleich der große Anteil, den er an der Entwickelung der Gemeinde hat, unverkennbar ist. An Ziemlichs 1899 entstandene Arbeit anknüpfend, behandelt er in zehn Kapiteln 1. den Gottesdienst, 2. das Unterrichtswesen, 3. den Friedhof, 4. die Verwaltung, 5. das Rabbinat, 6. die Beamten, 7. den Verein Adas Israel, 8. die Mitarbeit an der jüdischen Gesamtheit, 9. das Leben in der Gemeinde, 10. den Anteil der Gemeinde am öffentlichen Leben. Die Kapitel 4, 5 und 6 enthalten wertvolle biographische Mitteilungen über führende Persönlichkeiten, so die drei Rabbiner, die Vorsitzenden und hervorragenden Mitglieder der Verwaltung und mehrere der Beamten. Eingehend ist die Entwickelung des Unterrichtswesens d arges teilt, ein überaus lehrreiches Kapitel für alle