Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Textkritische Bemerkungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 2)
- Language
- German
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v.׳ 51 Almemor zuwendet, die. Talit ab, als hätte er .ernstlich die Absicht, zum Empfange der Sabbatbraut die Straße zu betreten. Fällt ein Feiertag auf den Sabbat, wird in vielen Gemeinden von dieser Empfangsfeier Abstand genommen. Vermutlich aus Zartgefühl, um den Feiertag nicht zu verletzen, für den es eine unverdiente Kränkung wäre, wenn man den in seiner Begleitung einziehenden Sabbat in schwungvoller Hymne willkommen hieße, ihm selbst aber nicht einmal ein armselig Wort der Begrüßung gönnte. Sollte diese Vermutung zutreffen, so wäre es keine allzukühne Reform, den Kehrreim an solchem Abend mit פני שבת לרם טוב נקבלה zu schließen. Wenigstens sollte man dort, wo das Sabbatlied, auch wenn es zugleich Feiertag ist, gesungen wird, diesen Zusatz nicht scheuen, dessen Unterlassung zweifellos eine beschämende Zurücksetzung des Festes bedeutet. Es gibt indessen in diesem Liede auch noch andere Stellen, die mir verbesserungsfähig erscheinen. So z. B. לקראת שבת לכל ונלכה a.m Anfänge der zweiten Strophe. ,,Kommet, wir wollen dem Sabbat entgegen gehen“, könnte wohl eine Aufforderung des Vorbeters an die Gemeinde sein; aber dann müßte לקראת שבת nicht vorausgehen, sondern folgen (vergl. 1 Sam 9Ö; 1114; Jes 25). Ich würde daher לכה ונלכה vorziehen, sei es daß die Anrede wie vorher in לכה דודי לקראת;כלה an Gott sich richtet, sei es daß sie der Gemeinde gilt und לכה denselben Sinn wie in לכה נשקה (Gen 1932) hat: Dem Sabbat entgegen, wohlan laßt uns gehen! — Die vierte Strophe erweckt mir den Zweifel, ob R. Salomo sein Gedicht eigenhändig mit Vokalzeichen versehen hat. Ich kann nicht glauben, daß er עם als ein Femininum angesehen hat. Er hätte doch, wenn er sein Volk mit den Propheten unter dem Bilde einer Jungfrau schaute, gleich diesen die Wendung לבשי בגדי תפארתך כ ת עמי gebrauchen müssen. S. R. Hirsch übersetzt: umkleide dich wie mit deinen Schmuckgewändern mit meinem Volk. Ich möchte eher annehmen, daß der Dichter nicht עמי sondern עמי gemeint hat. Die Anrede wendet sich wie schon vorher (.מהדש מלך עיר מלוכד) und auch nachher wieder (בך יחסל עניי עמ״) an die königliche Stadt. Der Vers־ ist Jesaia (52s) entnommen, und dort steht ausdrücklich: Lege deine Prachtgewänder an, Jerusalem, d u heilige Stadt! In sein Festgewand gekleidet, fordert sie der Sänger auf, gleich ihm den Staub des Alltags abzuschütteln und ihr Prachtgewand anzülegen. — Der Schlußsatz dieser Strophe bestärkt mich in dem Verdacht, daß die Punktation von fremder Hand herrührt. Er ist einem Psalmvers (69, 19) entlehnt, der hier nicht ganz am Platze ist. Denn nicht Gott wird hier angesprochen (nahe meiner Seele, erlöse sie), sondern nach wie vor — wir haben es bereits gesagt — die heilige Stadt. Auch wetteifern ja die hebr. Dichter von jeher in der Kunst, die Bibelstellen, die sie ihren Dichtungen einflechten, in einem andern als dem wahren Sinne zu verwenden. Im. Psalmvers ist קרבה als Optativ 1mit kurzem o in der ersten Silbe zu lesen, hier־ dagegen als Perfekt mit langem a; dort ist גאלה ein Verbum (אלה|), hier jedoch ein Substantiv (גאלה). Zu übersetzen wäre demnach: Schüttle ab den Staub,