Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 1
Article
Die Erwerbung des Bürgerrechts durch naturalisierte Juden in der Stadt Posen
Date
1926-01-01
Page
Seite 41 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829937-2848793--46680-2848863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

41 liehen Gewitters auch in Posen die Anschauung gemildert. So wirkten hier allgemeine und individuelle Gründe zusammen. Die nationalen Ansprüche des Polentums zogen eine Parteiverschiebung nach sich, indem nicht mehr die Christen gegen die Juden, sondern Deutsche und Juden gegen die Polen zusammenstanden. Infolge dessen wurde jetzt mit restloser Billigung der staatlichen Verwaltungsbehörden die Zahl der zum Bürgerrecht verstatteten Is~ raeliten rasch vermehrt und durch ihren Zuzug gelang es den Deutsehen, 1846 die verlorene Majorität im Stadtverordnetenkollegium zurückzuerobern. Hierbei erhielten die beiden schon vorhandenen jüdischen Mitglieder zwei neue Kollegen. Das endlich dem Magistrat im Dezember mit der ministeriellen Genehmigung wieder zugehende Statut gab der veränderten Stimmung dadurch Ausdruck, daß hier jede Klausel von einer Beschränkung der jüdischen Vertreter fehlte. Unter dem Druck der nationalen Gefahr war den alttestamentarischen Glaubensgenossen in Posen bei der Stadtverwaltung die volle Gleichberechtigung mit ihren christlichen Mitbürgern eingeräumt worden, kurz bevor die Revolution eine solche für ganz Preußen nach sich zog1. Die Symbolik des Körpers in den rituellen Bräuchen (I. Teil) Von Dr. V. Kurrein in Linz a/D. .Der Mensch, der Gott dienen will, stellt sein ganzes ,,Ich“, Geist und Körper, Gott zur Verfügung. ,,Jeder Mensch muß seinen ganzen Körper heiligen,“ so sagt K. Sch’lo S. 36, ״daß kein Glied von seinen Gliedern sei, mit dem er eine Sünde oder etwas Schlechtes tue. denn alle Glieder des Menschen sind Symbole der höheren Welten“. Das Psalmwort, ,,Alle meine Gebeine sollen Gott preisen“, ist sozusagen der technische Ausdruck für diesen Willen, Gott mit allem, was man besitzt, zu verehren. Der Körper ist einerseits die Wohnung für die göttliche Seele, andererseits der fleischliehe, irdische Teil, der das Wirkungsfeld des bösen Triebes darstellt. Den Körper vor den Angriffen der sündigen Begierden zu schützen, ist auch eine Aufgabe jeder hochentwickelten Religion. Die Reinhaltung des Körpers von materieller Unreinheit ist die eine Forderung,, der sich die Reinheit im höheren geistigen Sinne als zweite anschloß. Der Begriff von Tuma und Tahara beherrschte zur Zeit des Tempelbestandes das ganze religiöse Leben. Für• den Gebetskultus nach der Tempelzerstörung war ,,die Frucht der Lippen“ die Opfergabe der Beter. An dieser waren bald neben den Lippen auch Auge, Hand, Füße, ja der ganze Körper beteiligt. So entstand eine Symbolik des Körpers, wie sie Kultus und Ritus herausgebildet hat. Sie ist der sinnfällige Ausdruck; die kräftigere Unterstreichung der Gefühle und Gedanken, die den Beter beherrschen oder beherrschen sollen. Sie ist darum keineswegs äußerliches Formwerk, sondern vermag als Teil des Gottes- 1 Vgl. Jaffe: hie Stadt Posen unter preuß. Herrschaft. Leipzig 1909, 169 i. u. 177 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.