Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Systematische Philosophie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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15 der Vernunft und durch konstruktive Freiheit der Wissenschaft zu lösen, gescheitert. Zu innig aber ist das Reich der Werte mit der Individualität menschlichen Seins und der Geschichte der menschliehen Seele verknüpft, als wenn der menschlichen Seele nur die Kraft der Erkenntnis der Werte, micht-ihrer Schöpfung: zuzuweisen wäre. Und doch besteht die Ueberzeugung ihrer von aller menschliehen Subjektivität freien apriorischen Geltung. Mit unserem Denken, Fühlen, Wollen greifen wir in die Wirklichkeit hinein, getragen von Werten, die der seelischen Energie des Menschen entstammen, ohne doch nur anthropologisch-subjektive Phantasmen zu bedeuten. Auch unser Wertbewußtsein ist ein Rätsel der Wirklichkeit und die Sinnhaftigkeit des menschlichen Seins, seines Wertbewußtseins und seiner Akte die tiefste Unbegreiflichkeit der Wirklichkeit. Wie die Irrationalität der Wirklichkeit, des Lebens, des Bewußtseins nicht rational weggedeutet werden kann, so muß auch die metaphysische Irrationalität des Wertbewußtseins und der werterfassenden Akte anerkannt werden. Ihre phänomenologische Deutung verhüllt dieses Rätsel im Bilde des idealen Seins, statt es zu lösen. Mit aufrichtiger Dankbarkeit aber muß die reiche Aus- Weitung der erkenntnistheoretischen und ethischen Durchdringung wie des Phänomens der Wirklichkeit, so des sittlichen Bewußtseins, die in den beiden Werken Hartmanns vorliegt, anerkannt werden. Eine spezielle Auseinandersetzung kann nur i m Aufbau einer metaphysischen Grundlegung der Erkenntnistheorie und Ethik erfolgen. Ein Rückblick auf die Reihe der behandelten Werke zeigt die Höhe und Klarheit, mit welcher die systematische Philosophie der Gegenwart die Probleme neuen Lösungen entgegenführt. An dieser über den Neukantianismus hinausreichenden Arbeit der Phänomenologie und Metaphysik dürfen jüdische Denker nicht vorübergehen, wenn die jüdische Relisäonsphilosophie nicht die Höhe verlieren soll, zu welcher sie durch Cohen hinaufgetragen wurde. lieber Jekiitlel ibn-Hassan . im Zusammenhang mit einer Erklärung mehrerer Gedichte ibn-Gabirois. Von M i c h a e 1 W i 1 e n s k y in Berlin. Bekanntlich hat ibn-Gabirol in mehreren Gedichten seinen Wohltäter und Beschützer, J e k u t i e 1, dem Moses ibn-Esra in seiner Poetik (hebr. Uebers. von Halper, S. קצל) den Namen ibn- Hassan beilegt, verherrlicht und auf dessen tragischen Tod im J. 1039 zwei Klagelieder gedichtet, von denen das größere besonders erschütternd klingt. Von den Vermutungen, die über die Persönlichkeit Jekutiels geäußert worden sind, kann nur die Geigersche als diskutabel angesehen werden1. Geiger hat ihn auf Grund des erwähnten Namens 1 Andere Vermutungen s. אנרות שד״ל SS. 992,1250. Hier sei nur die Vermutung Deren b 0 urgs׳ erwähnt, da deren Unmöglichkeit nicht so in die Augen springt. Sie besteht nämlich darin (Opuscules etc. d’Abou’l-Walid etc. 1880 S.. XVI Anm. 1), daß unser Jekutiel der So h n des As tronomen Jekutiel war und ,deshalb Kenntnisse in der Astronomie besaß, allerdings so viel, daß er — eine hochgestellte Persönlichkeit ־— von seinen Schmeichlern