Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 ja alle Tosseftateildvon der Mischnaabhängig sein oder zu ihr in ein Verhältnis gebracht werden können. Dabei darf aber das Abweichende nicht übersehen werden. Ich teile auch in der Wertschätzung Zuckermandel ,scher Wahrnehmungen (daßT. dem Jeruschalmi nähersteht) Spaniers Ansicht, aber auch in der Zurück- Weisung des Gedankens, T. sei die Mischna Juda Hannassis und unsere Mischna eine Auswahr der Babylonier aus ilm Als, berechtigt erkläre ich seinen Widerspruch gegen Schwarz’ Behandlungsart der T., als müßte sie streng nach der Ordnung der Mischna .zurechtgerückt werden. Ich bin nämlich darin mit ihm einig, daß man die Gestalt eines solchen Schrifttums nicht eigenwillig verändern׳ dürfe. Auch seine Warnung, das bekannte Wort Jochanans1 über die tannäitischen Quellen und ihre Verfasser zu wörtlich zu nehmen und Gebäude darauf zu errichten, entspricht dem, was i.ch immer ausgesprochen unter Hinweis auf das tannäitisclie Schrifttum, das über sich selbst am besten Auskunft erteilt. Von weiteren Einzelheiten berühre ich die Bemerkung über תנא und תני■ עלדי. Richtig ist Spaniers Wahrnehmung, in der ihm Hoffmann vorausgegangen ist, daß unter ותני עלה sogar eine Mischna als Beleg zu einer anderen gezogen werden kann. Es ist richtig, daß der zugezogene;Satz nie eine Baraitha gewesen sein kann. In den beiden von Spanier ungezogenen Stellen dienen die Belege in der Tat der Klarlegung, sind also keine Zusätze, wie sonst, sondern bezwecken, besonders Sota 41, die Kenn- Zeichnung z. B. Abbajis daselbst. Doch deckt sich תנא nicht vollkommen mit תנא/ ותני, טלה folgt stets unmittelbar der tannaitischen Stelle, und der Zusatz bleibt unwidersprochen; ותני עלה bezieht sich auch auf amoräische Deutungen, die einer Mischna oder Baraitha nach vorhergegangenen Fragen zugekommen sind. Ich muß nun zu einer mich selbst berührenden Sache kommen, da sich Spanier auch mit meiner Tosseftaauffassung beschäftigt hat: Er gibt mir die meisten Einzelheiten zu, scheint sich einmal beinah zu wundern, daß ich ״durchaus“ Recht habe; aber das Eine, daß die Tossefta als ursprünglich .selbständiges Werk gelten soll, also die Hauptsache, will er nicht zu seiner Ansicht machen. Ich habe aber nie gesagt, daß T. ein unbedingt selbständiges Werk sei, sondern, wie er selbst sagt, daß sie ebenso abhängig von der Mischna :sei, wie in anderen Teilen unabhängig. Wie darf er darum sagen, •daß ״zu dieser Ansicht“ (der Selbständigkeit der T.) ,,die Beobachtungen, ־von־ denen ich ausgehe, gai nicht stimmen,“ und zwar, weil ich ״zunächst;anerkenne“ (scheinbar gezwungen), ״daß wenigstens Teile der T. die Mischna voräussetzen“. Das ist ja gerade eine Seite meiner Wahrnehmungen und meiner Auffassung! Womit stimmt das nun nicht? Aber ״er will hier nicht mit mir rechten, weil er. in der Sache mit mir übereinstimmt.“ Merkwürdig! Und;zwar darum, daß ich an anderen Stellen T. für selbständig halte, weil sie die Abschweifungen auch mit der Mischna teilt (allerdings unter Anführung ganz;anderer Beispiele hier und dort, deren Satzreihe mit der andern außer den;Eingangsformeln nichts zu tun hat). Er meint, das wären jüngere Teile. Sehen -die beiderseitigen Reihen aus Sabbat2 so aus? Und das riesige T.-Sota gegenüber der dagegen winzigen Mischna! Und T.-Pesachim II! In meinem ״Rahmen •der Mischna“ habe ich dagegen gezeigt, daß jünger e Teile m M. und T.;ziemlich genau übereinstimmen bis auf den Wortlaut. Aber keine älteren.!Die haben nur’ die Lehrordnung als herkömmlich gemeinsam, nach welcher!im allgemeinen (man darf nur nicht mit Schwarz diesen Begriff zu sehr pressen) alle Schulen übereinstimmten. Anders wäre auch ein Wissenschaft-;liebes Zusammenarbeiten nie möglich gewesen. ' Das kann aber Spanier nicht zugeben; das Ergebnis seiner Arbeit ist , nä mlich folgendes: Die Tossefta ist keine tannaitische Sonderquelle, wie vieLe bisher ge- :glaubt habenj sondern eine ungeordnete Sammlung von Randbemerkungen zur Mischna, welche man aus ihr in einer besonderen Rolle gesammelt hat, um sie dann durch Juda Hannassi in die Mischna wieder hineinzunehmen.;.Spanier hält das für die Spitze aller bisherigen Deutungen des Tosseftarätsels. סתם מתני/ו־י׳מאיר 1־ usw, 2 M 8׳jb 94 —־־ T 823—