Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Quellen zur Geschichte der Juden Großrumäniens
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 1)
- Language
- German
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54 Quellen zur ÜeschicMe der Juden Oroßrumäniens. .; Von. Prof. Dr. Manfred Reifer in Czernowitz. Die moderne Geschichtsforschung verlegt ihre Haupttätigkeit auf das Quellenstudium und auf die QueUenkritik. Hierin liegt das Fundamentale, das Bedeutende in der Geschichtsschreibung. Für jeden Historiker ist heute der Weg der Geschichtsforschung klipp und klar vorgezeichnet. Er führt durch die Geschichtsquellen und wird gereinigt durch die Quellenkritik. Beide bilden das Fun- י dament, die Bausteine der modernen Geschichtsschreibung. Sicherlieh spielt auch da das subjektive Empfinden des Historikers mit, allein er muß bestrebt sein, sich vom Anachronismus frei zu machen und möglichst objektiv sein. Seine Darstellung soll sub specie aetermitatis erfolgen. In der vorliegenden Quellensammlung soll ein Versuch gemacht werden, Bausteine für die Geschichte der Juden Groß-Rumäniens zu liefern. Es wird sicherlich dem gewandtesten und historisch geschulten Geschichtsschreiber nicht leicht fallen, hier eine Kickenlose Arbeit zu liefern. Es wird nicht leicht sein, überall den kausalen Zusammenhang herauszufinden. Dies ist ja ganz klar: die einzelnen Provinzen , des heutigen Groß-Rumäniens haben eine eigene Geschichte, die von den Staaten abhängt, zu welchen sie vorübergehend oder dauernd gehörten. Ueberdies herrscht über das Kapitel von der Völkerwanderung bis in das 13. Jahrhundert hinein noch tiefes Schweigen auch im Bezug auf die allgemeine Geschichte Rumäniens. Hier wird der zukünftige Historiker hineinleuchten müssen und so manches Rätsel wird dann gelöst werden. Der Zufall wollte es, daß ein. jüdischer Reisender über diese Epoche einige Bemerkungen über Rumänen und Juden der Nachwelt hinterlassen hat. Es scheint auch die einzige beglaubigte Quelle aus dem 12. Jahrhundert zu sein, Benjamin Ben-Jona von Tudela durchwanderte vom Jahre 1165 bis 1173 Südeuropa, Asien und Afrika und erzählt in seinen Reisebeschreibungen auch etwas über das Verhältnis der Walachen zu den Juden und Byzantinern. Auch über die Abstammung und Herkunft der Juden Rumäniens gibt es bis heute noch keine allgemein gültige Interpretation. Man müßte da anthropologische Studien betreiben und die vergleichende Sprachforschung zu Hilfe nehmen. Schon im römischen Dazien, dem heutigen Rumänien, wohnten nachweisbar Juden. Johannes Lebel* 1 weiß von Juden zu berichten, die. in Thalmus wohnten und dort eine starke Gemeinde 1J Johannes Lebel war Pfarrer in Transsilvanien, lebte zu Beginn des 1 6. Jahrhunderts und schrieb ein Gedicht .,De oppido Phalmus“.