Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
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65 Besprechungen Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1921/22. Herausgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. 24. Band, Berlin 1921/22. (168 S.) Vorzugspreis für Mitglieder der Gesellschaft 8.— Mk. einschließlich Porto. Das schmucke Bändchen enthält ein Kalendarium und folgende Auf- Sätze: L. Landau, Rückblick auf das Jahr 5680/81; S. Bernfeld, Literarische Jahresrevue; E. König, das Ideal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm; J. Guttmann, Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte; U. Gassuto, Dante und Manoello; Ph. Bloch, Adolf Jellinek nach seiner geistigen und wissenschaftlichen Bedeutung; M. Goldstein, Alexander in Jerusalem (dramatisch). Den Abschluß bilden die Mitteilungen aus dem Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland- — Welche Anregungen das Bändchen bietet, wird schon aus einer kurzen Analyse des Guttmannschen Aufsatzes anschaulich. Für G. bedeutet, wie für seinen Kollegen Elbogen, die bevorstehende Wiederaufrichtung eines jüdischen Palästina einen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte, einen Anfang eigenartigen jüdischen Lebens. Die Lebensform des Judentums etwa seit Esra war die der religiösen Gemeinschaft; die Religion durchdrang das ganze Leben; ,,durch den Aufbau einer nichts fremdes neben sich duldenden Einheitskultur übernimmt die Glaubensgemeinde zugleich die Funktionen einer nationalen Gemeinschaft“. Das wurde anders durch den Eintritt des Judentums in eine Kultur und eine Gesellschaft, die sich ,,von jeder religiösen Bindung gelöst hatte“; eine ailseitige jüdische Lebensgemeinschaft war zunächst nicht mehr möglich und wurde auch ein Jahrhundert lang nicht gewünscht. Sie kann und wird sich aber auf nationaler Grundlage in Palästina entfalten; hier wird die Religion nicht mehr das Ganze des Lebens' umfassen, wohl aber zu einem Bestandteil, ja, zum Mittelpunkt (S. 73) eines umfassenden nationalen Zusammenhanges werden — zum Segen für die Religion selbst, die nun, da sie nicht mehr allein die Sorge um den Fortbestand der Gemeinschaft zu tragen hat, ihr Eigenleben frei entfalten kann. ,,Das moderne Judentum lebt in der doppelten. Gefahr, seine Eigenart durch ängstliche Absperrung gegen jeden äußeren Einfluß zu erkaufen oder die Teilnahme am religiösen Leben der Zeit mit dem Opfer seiner Eigenart zu bezahlen. Inmitten einer eigenen jüdischen Welt ist die religiöse Entwicklung des Judentums diesem Dilemma enthoben. Hier kann es die größte Weite des religiösen Horizontes mit echter Eigenwüchsigkeit der Entwicklung verbinden“. Wenn das Judentum auf seiner Wanderung durch Zeiten und Länder mehr und mehr europäisiert wurde ,,von der äußerlichsten Aeußerlichkeit in Kleidung und Tracht bis zur zartesten Innerlichkeit des Selbstgefühls“, so wird sich hier eine selbständige Ausein־ andersetzung mit der außerjüdischen Kultur vollziehen können. Und von ihr wird auch das Judentum der Diaspora Vorteile haben. ,,Extensiv wie intensiv verliert von Generation zu Generation unser Leben an jüdischem Gehalt. Hier aber liegt eine der großen Hoffnungen, die sich an das neue Palästina knüpfen. . . Neue Freude an allen Jüdischen, neue Liebe zur eigenen Gemeinschaft, neue Festigkeit des jüdischen Bewußtseins wird von einem kraftvoll verjüngten Judentum auch auf die Diaspora übergehen.“ Auch wer nicht (wie zu seiner Freude der Berichterstatter) die Auffassung des Verfassers in den wesentlichen Punkten teilt, wird an dieser geistvollen und durchaus Monatsschrift, 66. Jahrgang. 5׳