Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1921)
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 16)
- Language
- German
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58 Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen Der Zusammenhang dieser besonderen sozialen Schicht konnte durch ‘die gesonderte Gerichtspflege nur noch gestärkt werden, weil ihr lebensregelndes, im Talmud niedergelegtes Religionsgesetz durch die staatlich anerkannte Verbindlichkeit seiner Rechtssätze nur noch an Autorität gewann. Überhaupt wächst in diesem Punkte die innere und äußere Verfassung der polnischen Juden zusammen, indem die Anerkennung als Sonderklasse die Anerkennung des Eigenlebens dieser Klasse mit sich brachte. Es lag ja auch nur im Interesse des Staates und der in ihm maßgebenden Gewalten, die Sonderart der Juden und ihrer religiös-nationalen Verfassung nicht zu stören, da der in seiner inneren Freiheit respektierte und geschützte Jude um so eher verschärfter wirtschaftlicher Ausnutzung zugänglich war1) — eine besondere Toleranz lag hier ebenso wenig vor wie bei der Ansetzung fremder Kolonisten. Staatliche Steuerpolitik hatte denn auch die Krönung des Verfassungslebens der polnischen Juden gefördert: die Entstehung der sogenannten Vierländersynode war eng verknüpft mit der Erhebung , der besonderen Judensteuer. Das Zusammenströmen vieler Tausender von Juden auf den großen inländischen Messen, wo neben den Geschäften auch religionsgesetzliche Disputationen stattfanden und Ent- Scheidungen gefällt wurden, hatte im 16. Jahrhundert den Zusammentritt eines aus Rabbinern und Vorstehern bestehenden Kollegiums der ursprünglich drei, später vier art beibehalten müsse, wenn er als Mäkler oder auch als Handelsmann das Zutrauen des Polen oder Russen, der nun einmal daran gewöhnt sei, gewinnen und mit ihnen Geschäfte machen wolle. St. A. Bresl. Rep. 199 M. R. XV. 1 v. III. 167. x) In diesem Sinne ist eine bei Brawer 42 angeführte Schrift gehalten, die die Juden dadurch zur Taufe zu bewegen suchte, daß sie ihnen vor hielt, wie schimpflich sie sich ihre innere Freiheit erkaufen müßten, daß ihre Herren sie ״nicht ihres Glaubens oder jüdisch geführten Lebens wegen schätzten, sondern wegen ihrer irdischen Proventen und Nutzen, die sie von ihnen haben.״