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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 7

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 1
Article
Der Krieg als jüdisches Erlebnis
Date
1919-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Der Krieg als jüdisches Erlebnis. 7 den Bürgern unserer Heimat verwirklicht? Bevorzugten wir nicht in der Klasse jüdische Mitschüler? Gehen wir nicht am liebsten mit jüdischen Berufsgenossen um? Verlegen״ wir nicht unsere Wohnung in Straßen, die jüdische^Parteien sich wählten? Unterhalten wir nicht so gut wie ausschließlich jüdischen Verkehr, in den die Ausnahme christlicher Bekanntschaft sich einsprengt wie — die Versuchung drängt, den antisemitischen Jargon umzubiegen — , wie ein Fremdkörper? So natürlich und, gegeben ist das Verhältnis, daß es uns nicht zu Bewußtsein gelangt. Wir erheben bewegliche Klage, wie die übrigen uns verkennen. Wie wenig wir aber von jenen wissen, von Art und Gattung, Gebaren und Geisteszug, unsere Mehrzahl stößt nie darauf. Mit einem Staunen ohnegleichen brach draußen das Erkennen herein. Wie Schuppen fiel es dem jüdischen Kameraden vom Auge, daß er sich vorkam, als entdecke er eine unbekannte Welt. Ich mag nicht bezweifeln, geschweige denn leugnen, bei der widerwilligen Zusammen־^ kopplung sei nichts Heilsames wechselseitig entbunden. Bislang gaukejten wir in phantastischer Verzerrung den anderen vor (anstatt Belege zu häufen, nenne ich das Beispiel eines hochgestellten* gebildeten Offiziers: der hätte mich gern zum Feldgottesdienst begleitet; aber er scheute sich, weil doch der jüdische Ritus die Verfluchung Christi und seiner Bekenner vorschreibe). Eine unverächtliche Zahl mag vom Wahne geheilt worden sein, der sich kritiklos an Ritualmordmärchen nährte, der verbrecherische Finsterlinge, blutdürstige Werwölfe in uns sah, unseren Durchschnitt zumindest nach dem würdelos kriechenden, mauschelnden Hausierer beurteilte. Derartige Aufklärung, soweit sie bei einigermaßen gutem Willen erfolgte, darf immerhin nicht überschätzt werden. Ihr hält die Belehrung die Wage, die gegenübersteht, die auf der anderen Seite uns kam und keinen Zweifel ließ: wir bilden eine Art für uns, unbeschadet der Ähnlichkeit und Übereinstimmung. Es dreht sich hier um Feinfühliges, das einer empfindet, ohne es mit ausgesprochenem Satz zu umzirkeln. Worte umschreibend nicht eindeutig, keine Definition arbeitet es in praller Schärfe heraus; zur dem muß der bloße Versuch, will man’s formulieren, sich hüten,

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