Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 1)
- Language
- German
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66 Besprechungen. Einzelheiten. Der Unterschied der Zeit, die zur Behandlung steht, macht sich nach mancher Richtung hin deutlich bemerklich. Die ■Lesung der Inschriften begegnet nicht mehr den außerordentlichen Schwierigkeiten der Entzifferung wie in der älteren Periode. Dafür ist aber die Sprache selber gesuchter und geschraubter geworden. Es gibt viele geradezu erschreckende Monstra unter diesen Inschriften. Sie vermeinen die Großen, deren Nachruhm sie künden, um so höher zu ehren, je weitschweifiger und erkünstelter ihre Lobeserhebungen klingen. In Wirklichkeit bekunden sie damit eine abstoßende, oft geradezu verletzende Geschmacklosigkeit, die vielleicht im Wesen der Zeit, sicherlich aber nicht einmal im Sinne der Toten selber lag, denen sie galt. Den ausgeklügelten biblischen und talmudischen Wortverschlingungen nachzugehen, in denen sie sich bewegen, war zwar keine lohnende, aber eine um so schwierigere Aufgabe, die Wachstein mit bekannter Belesenheit und gewohntem Scharfsinn in Text und Übersetzung meistens restlos zu lösen weiß. Ebenso kenntnisreich, scharfsichtig und tiefgründig ist wieder die Aufdeckung und Kombinierung der Familiengeschichte. Sie umfaßt diesmal Häuser, die in den letzten Jahrhunderten der jüdischen Geschichte mit die größte Rolle in der Öffentlichkeit außerhalb wie innerhalb der jüdischen Kreise spielten. Um nur eine kleine Auslese zu geben, seien genannt: Arnsteiner, Auspitz, Austerlitz, Brilin, D’Aguilar, Eskeles, Gomperz, Gins, Hoenig, Koenigswart, Lehmann, Leidesdorfer, Liebmann, Michl, Oppenheimer, Poesing, Schlesinger, Sinzheim, Spitz, Wertheimer. Die Gemeinden, in deren Geschichte sie eingreifen, weisen neben zahlreichen kleineren Ortschaften die hervorragendsten Stätten jüdischen Lebens in Österreich, Deutschland und den Niederlanden auf. Aus Eisenstadt und Preßburg ist viel handschriftliches Material mitverarbeitet. Verschiedene dieser Familien haben eine zusammenfassende und abschließende Darstellung ihrer Bedeutung und ihrer Genealogien gefunden; dies war nur durch den erstaunlichen Fleiß möglich, mit dem die geringfügigsten Notizen aus allen Winkeln und Ecken der Literatur zusammengetragen sind, sowie durch die scharfsinnige und feinfühlige Kombinationsgabe, mit der die Zusammenhänge hergestellt und die Lücken ergänzt wurden. Neues wird sich hier nur noch aus handschriftlichem, bislang unediertem Material beibringen