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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 1 · p. Seite 63

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1918-01-01
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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Besprechung. 63 Stiefel. Damit war er befriedigt. Ich auch. Ich glaube, daß Herr v. T. sich auch dabei beruhigen könnte, daß die deutschen Juden, wie er zugesteht, Nächstenliebe üben, auch wenn diese nicht christlich abgestempelt ist. Für seine Mußestunden möchte ich ihm aber die Lektüre einer der zahlreichen jüdischen Schriften über die Nächstenliebe empfehlen, die in den letzten Jahrzehnten erschienen sind. Er würde sich dann davon überzeugen, daß seine Hoffnung, die Juden würden einsehen, daß »die christliche Nächstenliebe der jüdischen Morallehre gegenüber einen religiösen, kulturellen, geistigen Fortschritbedeutet«, ebenso aussichtslos ist, wie seine Hoffnung auf die Gesamttaufe der deutschen Juden. Nr. 2. Die Schrift des Herrn Walther Rathenau ist die Antwort auf die des Herrn v. Trützschler, Dieser wird nach dem Göthewort von allem, was Herr Rathenau viel spricht, um zu versagen, nur das Nein hören. Deutlich heraus sagt es Herr R. selbst erst am Ende seiner Schrift, indem er bemerkt, daß es ihm widerstrebe, seine Abhandlung mit einem »hohlen Nein« zu schließen (S. 39). Aber die ganze Schrift vom Anfang bis zum Ende ist ein Nein, und durchaus kein hohles, sondern ein mit einem Abriß der Religionsgeschichte ausgefülltes, und mit allen Mitteln der Redekunst, nicht am wenigsten dem einer feinen Ironie, ausgeführtes. Herr R. geht davon aus, daß das Judentum ein kirchen- und dogmenloser Glaube sei, also die möglichste Denkfreiheit gewähre und ertrage, das Einigende sei allein das Bekenntnis zur göttlichen Einheit, dessen Urform in deutscher Sprache lautet: Der Herr ist unser Gott, der Herr, der Eine. Wer so denkt und schreibt, ist Jude. Das gilt nach außen wie nach innen. Von dem, was Herr R. sonst noch anführt, kann er mit Hillei sagen: das Übrige ist Erklärung, gehe und lerne! Aus diesem Übrigen möchte ich nur die Antwort hervorheben, die Herr R. einem Dissidenten, Muselman oder Buddhisten erteilen würde, der ihn fragte, welchem herkömmlichen Bekenntnis er sich anschließen solle. Die Antwort lautet: »Willst du überhaupt diesem Glauben den Stempel eines herkömmlichen Bekenntnisses auf drücken, was bei dir steht, so scheint der mosaische Monotheismus kraft seiner Freiheit von Dogma und Kirche nur das einzige Bekenntnis zu sein, das deinen Glauben ohne inneren Widerspruch dulden darf und dulden muß« (S. 29). Ich weiß nicht, ob Herrn R. bekannt ist, daß R. Jochanan schon vor mehr als

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