Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40 Zur Lebensgeschichte Urie! da Costas. seine Schrift lateinisch abgefaßt hat. Gegen die Annahme eines portugiesisch geschriebenen Originals sprechen auch sonst gewichtige innere und äußere Gründe. Gewiß hat da Costa portugiesisch gesprochen und geschrieben, aber bei der Abfassung dieser Schrift gewiß nicht an jüdische Leser gedacht, die gleich ihm das Portugiesische verstanden und sprachen, sondern nur an freidenkende Christen1), denen das Portugiesische fremd war. Jeder Leser dieser Schrift wird zugeben, daß sie auch nicht die leiseste Spur einer Übersetzung an sich trägt. Das Lateinische aber war dem studierten Juristen da Costa ohne Zweifel geläufig. Gesetzt den Fall, seine Schrift wäre ursprünglich portugiesisch abgefaßt gewesen, wer hätte ein Interesse daran gehabt, sie ins Lateinische zu übersetzen? Und vollends bei wem wäre dieses Bedürfnis ein so dringendes gewesen, daß die Übersetzung sofort hätte erfolgen müssen? Eine portugiesisch abgefaßte Schrift wäre von Amsterdamer Christen gewiß nicht beachtet, eine so ketzerische gar, wie die da Costas, von Juden sicher schnellstens vernichtet, nicht aber ins Lateinische übertragen worden. Nichts spricht für, alles gegen die Annahme eines portugiesischen Originals. Damit entfällt jede Möglichkeit, daß unser Text nicht ganz der echte sei. Bleibt nur die Frage der Zuverlässigkeit der darin enthaltenen Angaben. Aber auch diese Frage ist dahin zu beantworten, daß nicht der mindeste Grund vorliegt, die Glaubwürdigkeit da Costas anzuzweifeln. Die fliegende Hast und fieberhafte Aufregung, die ihn bei der Abfassung seiner letzten Aufzeichnungen durchzittert hat, verrät sich in der Sprunghaftigkeit, Flüchtigkeit und Lückenhaftigkeit seiner lebensgeschichtlichen Mitteilungen. Die undatierte Schrift enthält auch nicht eine einzige Zeitangabe, nicht einmal sein Geburtsjahr ist darin erwähnt, vieles Wichtige scheint er vergessen, unabsichtlich übergangen zu haben. Eine wertvolle Erx) Ex. S. 80: Nunc animum mihi praebete, quicunque honesti, prudentes et humani estis, S. 86: Agnoscentes hoc veri Christiani magna laude digni sunt; S. 90 nunc juste judicate, filii hominum, siehe auch S. 83, wo die Leser mit »amici« angeredet werden.