Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Wort Rabbi im nichtjüdischen Schrifttum
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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36 Das Wort Rabbi im ntchtjüdtschen Schrifttum Tartuffe den Scheinheiligen für alle Zeiten an den Pranger gestellt hat, den Mann, der unter der Deckmaske der Religion die ärgsten Verbrechen begeht. Rabbi Busy ist harmloser, er kann den Gelüsten des Gaumens nicht widerstehen und sucht allerlei Vorwände, das Verbot der Religion zu umgehen. Als ein Beleg dafür, daß die Puritaner wegen ihrer Heuchelei und auch wegen ihres starren Buchstabenglaubens oft in der Dichtung verspottet wurden, möge ein anderes Drama aus dem siebzehnten Jahrhundert angeführt werden. The Puritaine or the Widow (Witwe) of Watlingstreet (1607), ein pseudoshakespearsches Stück, jetzt leicht in The Shakespeare Apocrypha, ed. Tucker Brooke, Oxford, 1908 nachzulesen. Eine der Personen, Nicholas, soll eine in einem Garten vergrabene goldene Kette stehlen; er weigert sich, denn in der Bibel stehe ausdrücklich: Thou shalt not steale. Alles sonst wolle er tun, aber stehlen dürfe er nicht. Der Anstifter gibt ihm recht, meint aber : »Why, woult thou nim (= entwenden) it from him?« Das will und kann Nicholas tun. Nun soll er auch gewissermaßen als Schauspieler (actor) auftreten. Aber das ist auch verboten; ein actor sei ein pleier (Spieler), und gegen diesen eifere der Pfarrer, Bekanntlich waren die Theateraufführungen eine zeitlang in England durch puritanischen Einfluß verboten, und der Schauspielerstand war übel berufen. Als der andere jedoch den Vorschlag macht, dann solle er statt Schauspieler ein intermeddler (etwa »unberufener Teilnehmer«) sein, willigt er ein, nur kein actor oder pleier. Und er schließt mit den Worten: »ja, ich will ihn berauben, aber — Gevatter, ich möchte wahrlich nichts stehlen, nicht einmal für meinen eigenen Vater.«